Braunschweig zeigt Ausstellung zu 75 Jahren Zentralrat der Juden

Bundesweit einzigartige Schau

1950 in Frankfurt gegründet, steht der Zentralrat der Juden seit mehr als 75 Jahren für jüdisches Leben in Deutschland. Das Städtische Museum Braunschweig widmet ihm nun eine bundesweit einzigartige Ausstellung.

Ausstellung "Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland" im Städtischen Museum Braunschweig. / © Städtisches Museum Braunschweig / Dirk Scherer
Ausstellung "Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland" im Städtischen Museum Braunschweig. / © Städtisches Museum Braunschweig / Dirk Scherer

Das Städtische Museum Braunschweig widmet dem 75-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland eine umfangreiche Ausstellung. Unter dem Titel "Mit eigener Stimme. 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland" ist die bundesweit einzige Schau zu diesem Thema ab Dienstag bis zum 20. September im Haus am Löwenwall zu sehen, wie die Stadt mitteilte.

Zentralrat der Juden in Deutschland / © nitpicker (shutterstock)
Zentralrat der Juden in Deutschland / © nitpicker ( shutterstock )

Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist die politische Dachorganisation der jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik. Er wurde am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründet, um nach der Schoa jüdisches Leben in Deutschland neu zu organisieren, die Interessen der Gemeinden zu vertreten und als Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft zu fungieren.

Schau beleuchtet politische Rolle

Die Ausstellung entstand laut Mitteilung in enger Kooperation mit dem Zentralrat und will dessen Rolle als politischer Akteur in der Bundesrepublik beleuchten. Der Zentralrat habe sich in zentralen gesellschaftlichen Fragen für demokratische Grundwerte eingesetzt und als "Anwalt des Grundgesetzes" gewirkt. Über die Vertretung jüdischer Interessen hinaus habe das Gremium die Demokratisierung und den Erhalt der Demokratie in Deutschland mitgeprägt.

Jewrovision 2025, Jachad Köln & Kavanah Aachen
 / © Gregor Matthias Zielke
Jewrovision 2025, Jachad Köln & Kavanah Aachen / © Gregor Matthias Zielke

Thematisch reicht die Schau von der Gründungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg - etwa Fragen der Wiedergutmachung - über die Entwicklung der Erinnerungskultur nach der Schoah bis hin zu aktuellen Debatten wie den Reaktionen auf antisemitische Inhalte der Kunstausstellung Documenta. Im Mittelpunkt stehen Fragen jüdischer Identität, Selbstbehauptung und der Aufbau einer neuen jüdischen Kultur in Deutschland.

Meet a Jew, Makkabi, Jewrovision

Einzelne Präsidenten und Führungspersönlichkeiten des Zentralrats werden ebenso gewürdigt wie zentrale Aktionsfelder der Organisation. Dazu zählen der Kampf gegen Antisemitismus, der interreligiöse Dialog, das Pressewesen sowie die Förderung kultureller Projekte. Beispielhaft genannt werden dialogische Initiativen wie "Meet a Jew", die Unterstützung des jüdischen Sportverbands Makkabi Deutschland oder der Musik- und Tanzwettbewerb "Jewrovision", bei dem junge Jüdinnen und Juden auftreten.

Die Jüdische Akademie soll 2026 in Frankfurt am Main eröffnet werden. / © Zvonko Turkali Architekten
Die Jüdische Akademie soll 2026 in Frankfurt am Main eröffnet werden. / © Zvonko Turkali Architekten

Auch die geplante Jüdische Akademie in Frankfurt am Main, die 2026 eröffnet werden soll, wird thematisiert. Kooperationspartner und Hauptförderer der Ausstellung ist die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte in Frankfurt am Main. 

Zentralrat der Juden

Der Zentralrat der Juden ist die Spitzenorganisation der jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik. Unter seinem Dach sind 23 Landesverbände mit 105 Gemeinden und ihren rund 100.000 Mitgliedern organisiert. Der Rat wurde 1950 in Frankfurt am Main gegründet. Damals lebten noch etwa 15.000 Juden in Deutschland. Vor dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust waren es bis zu 600.000.

Zentralrat der Juden in Deutschland vergibt Leo-Baeck-Preis / © Christian Ditsch (epd)
Zentralrat der Juden in Deutschland vergibt Leo-Baeck-Preis / © Christian Ditsch ( epd )
Quelle:
KNA