Bonifatiuswerk unterstützt "SeeYou" Stiftung in Hamburg

Stabiles Netz für Kinder und ihre Familien

Die Stiftung "SeeYou" des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift in Hamburg bietet sozialmedizinische Unterstützung für Eltern, deren neugeborene Babys krank sind. Welche Schwierigkeiten durchleben Eltern und ihre Kinder?

Babyfüße in den Händen der Mutter / © Liudmila Fadzeyeva (shutterstock)
Babyfüße in den Händen der Mutter / © Liudmila Fadzeyeva ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Wie groß ist die Gefahr, dass Familien mit kranken Babys an diesen Herausforderungen zerbrechen?

Dr. Sönke Siefert (Chefarzt des katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmstift): katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelm Stift: Zunächst muss man verstehen, dass es für die Familien schon während des stationären Aufenthaltes schwierig ist. Bei einem kleinen Frühgeborenen kann es unter Umständen mehrere Monate dauern, in denen die Eltern sehr stark gefordert sind. Sie sind mit ihren Kräften oftmals bereits am Ende, wenn sie mit dem Baby oder dem chronisch kranken Kind nach Hause gehen.

Von dort an müssen sie die Verantwortung übernehmen, welche wir während der Zeit in der Klinik tragen. Das ist eine große Herausforderung. Die Gefahr besteht darin, dass Eltern es nicht mehr schaffen, die Therapien, Überwachungen oder Kontrolltermine umzusetzen, welche auch nach der Krankenhausentlassung erforderlich sind. Der medizinische Behandlungserfolg und eine gesunde Kindesentwicklung sind dadurch bedroht.

Sönke Siefert

"Ziel ist, einen sanften Übergang von der Intensivstation ins Kinderzimmer zu gestalten".

DOMRADIO.DE: In welchen typischen Fällen ist Ihre Hilfe gefragt?

Siefert: Wir kümmern uns um Kranke, Früh- und Neugeborene. Jedoch auch um Kinder mit Diabetes, neurologischen Erkrankungen oder mit schweren Verbrennungen.

Ziel ist, einen sanften Übergang von der Intensivstation ins Kinderzimmer zu gestalten. Es gilt dafür zu sorgen, dass die medizinische und die sozialmedizinische Nachbehandlung nach dem Krankenhausaufenthalt kontinuierlich fortgesetzt wird.

Wir organisieren die Kontrollbesuche bei Spezialisten, sorgen für eine ambulante Kinderkrankenpflege, wenn erforderlich. Wir vernetzen an verschiedene Therapeuten. Je nachdem, was die Kinder nach der Krankenhausentlassung noch benötigen.

So organisieren wir ein stabiles Netz in der ambulanten Versorgung für diese Kinder und ihre Familien.

Sönke Siefert

"Letztlich wissen wir, dass immer mehr Familien unter schweren psychosozialen Belastungen leiden".

DOMRADIO.DE: Sie haben auch das Programm "Babylotse" entwickelt. Was hat es damit auf sich?

Siefert: Bei dem Programm geht es um psycho-soziale Unterstützung für junge Familien in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und in der frühen Kindheit. Letztlich wissen wir, dass immer mehr Familien unter schweren psycho-sozialen Belastungen leiden. Das kann eine gesunde Kindesentwicklung gefährden.

Unser Ziel ist es, diese Familien in den Gesundheitseinrichtungen, in den Arztpraxen oder Geburtskliniken frühzeitig anzusprechen, mit ihnen gemeinsam den Bedarf zu klären und ihnen dabei zu helfen, sollte Bedarf bestehen, in unseren wirkungsvollen, aber auch sehr komplexen sozialen Sicherungssystemen die richtigen Ansprechpartner zu finden, damit ein gesundes Aufwachsen der Kinder möglichst gut gelingen kann.

DOMRADIO.DE: Damit Sie die Familien mit Bedarf unterstützen können, brauchen sie selbst finanzielle Unterstützung. Wie genau sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem katholischen Bonifatiuswerk aus?

Siefert: Im Bereich der sozialmedizinischen Nachsorge in Hamburg fehlen uns pro Stunde ungefähr 30-32 Euro. Normalerweise soll diese Leistung von den Krankenkassen übernommen werden. Wir sind auf Spenden angewiesen und haben uns ans Bonifatiuswerk gewendet und um eine Unterstützung gebeten, die auch sehr unkompliziert und großzügig gewährt wurde.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken mit Sitz in Paderborn unterstützt Katholiken in einer Minderheitensituation, der sogenannten Diaspora, in Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum. Das Wort Diaspora kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Zerstreuung".

Das Bonifatiuswerk wurde 1849 in Regensburg vom Katholischen Verein Deutschlands als "Missionsverein für Deutschland mit dem Namen Bonifatius-Verein" gegründet. Namensgeber ist der als Apostel der Deutschen geltende heilige Bonifatius (672/675-754).

Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken (KNA)
Bonifatiuswerk / © Andreas Kühlken ( KNA )
Quelle:
DR