Bischofsweihe für Jerusalemer Patriarchatsverwalter in Italien

Pizzaballa übernimmt ein schwieriges Amt

Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt. Pierbattista Pizzaballa leitet künftig die Geschicke des Jerusalemer Patriarchats - allerdings nur als Interimsverwalter. Seine Bischofsweihe erhält er diesen Samstag in der italienischen Heimat.

Pierbattista Pizzaballa / © Hadas Parush (KNA)
Pierbattista Pizzaballa / © Hadas Parush ( KNA )

Pierbattista Pizzaballa, der künftige Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, wird in seiner norditalienischen Heimatstadt Bergamo zum Bischof geweiht. Die Weihe nimmt der Präfekt der vatikanischen Ostkirchenkongregation, Kardinal Leonardo Sandri, vor.

Begleitet wird Sandri laut Mitteilung des Patriarchats vom emeritierten Patriarchen Fouad Twal und dem Bischof von Bergamo, Francesco Beschi. In der Einladung auf Italienisch und Arabisch dankt Pizzaballa allen, die ihn mit ihrem Gebet unterstützen. Die Einladungskarte zeigt Bilder der soeben restaurierten Engel-Mosaiken aus der Geburtskirche von Bethlehem.

Nachfolger von Fouad Twal

Der 51-jährige Franziskaner Pizzaballa war von 2004 bis Mai 2016 Kustos seines Ordens im Heiligen Land. Ende Juni wurde er vom Papst zum Nachfolger des pensionierten Twal an der Spitze des Patriarchats ernannt - jedoch nicht im Rang eines Patriarchen. Als Administrator hat er die Aufgabe, für eine Übergangszeit die Amtsgeschäfts zu führen und eine Reihe offener Fragen und Probleme zu klären. Nach unbestätigten Angaben aus Jerusalemer Kirchenkreisen soll sich diese Aufgabe auf zwei Jahre belaufen.

Offenbar war Pizzaballa, den Papst Franziskus persönlich sehr schätzt, zunächst für die unmittelbare Nachfolge von Twal als Patriarch vorgesehen. Jedoch habe er aus persönlichen Gründen darum gebeten, davon abzusehen. Daraufhin sei die Ernennung zum Administrator erfolgt.

Als Bischof in Italien im Gespräch

Nicht ausgeschlossen ist freilich, dass Pizzaballa nach Abschluss der Reorganisation und der Schließung der offenen "Baustellen" dann doch noch das Patriarchenamt übernimmt. Wiederholt war er aber auch als Bischof in Italien im Gespräch, etwa als Nachfolger von Kardinal Angelo Scola (74) in Mailand - oder von Sandri (72) als Chef der Ostkirchenkongregation.

Somit bleibt die Frage, ob nach zwei einheimischen Klerikern das Amt des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem vielleicht doch wieder an einen Ausländer gehen wird. In den vergangenen Jahren hatten zunächst der Palästinenser Michel Sabbah (1987-2008) und dann der Jordanier Twal (2008-2016) die schwierige Diözese geleitet, zu deren Territorium Israel, die Palästinensergebiete, Jordanien und Zypern gehören. Angesichts mancher Differenzen zwischen dem Klerus rechts und links des Jordans war die Frage aufgetaucht, ob nicht doch wieder ein "neutraler" Italiener das Amt übernehmen sollte.

Eine Teilung des Patriarchats hatte Pizzaballa in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) nach seiner Wahl abgelehnt. Auch wenn unterschiedliche politische Gegebenheiten die Seelsorge sehr kompliziert machten, sei die Zahl der lateinischen Katholiken in der Region recht klein. Auch der Ernennung weiterer Weihbischöfe erteilte er eine Absage.

Strukturelle Änderungen noch unklar

Unklar ist unterdessen, welche strukturellen Änderungen der Administrator, der selbst gute Kontakte in die israelische Gesellschaft unterhält, etwa für die stark wachsende Gruppe der hebräischsprachigen Katholiken vornimmt. In den vergangenen drei Jahrzehnten ist die Zahl der nichtarabischen Christen, der katholischen Gastarbeiter aus Indien oder den Philippinen, stark gestiegen - und wurde bislang von der Hierarchie wenig berücksichtigt. Hinzu kommt der Dunkelbereich christlicher Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.

Pizzaballa übernimmt eine schwierige Aufgabe, mit der er sich nicht unbedingt nur Sympathien erwerben kann. Auf Gratulationen und Glückwünsche zu seiner Ernennung reagierte er sehr zurückhaltend. "Ich weiß nicht, ob das passende Begriffe sind", meinte er. Freilich sind seine Qualifikation, Intelligenz und Erfahrung in der Krisenregion unbestritten, ebenso sein Ansehen im religiösen wie im politischen Bereich, sein strategisches und diplomatisches Geschick.

Maßgeblich war er an der Vorbereitung der Heilig-Land-Besuche von Benedikt XVI. 2009 und von Franziskus 2014 beteiligt. In dessen Auftrag kümmerte er sich auch um das gemeinsame Friedensgebet mit Schimon Peres und Mahmud Abbas 2014 in den Vatikanischen Gärten.

Bleibt die Frage, warum die Bischofsweihe nicht am künftigen Tätigkeitsort sondern weit entfernt in Italien erfolgt. Man wolle den Eindruck vermeiden, es werde ein neuer Patriarch installiert, heißt es dazu.

Autor/in:
Johannes Schidelko
Quelle:
KNA