Bischofskonferenz führt Dialog mit dem Islam

Reformen und offene Baustellen

An diesem Freitag lädt die Deutsche Bischofskonferenz zum Jahresempfang für die Partner im christlich-islamischen Dialog. Zeit für einen Blick auf einige Herausforderungen im Gespräch mit den Muslimen in Deutschland.

Muslim im Gebet / © Afrandee Bulan (shutterstock)

Nun also doch. Mitte des Monats gab die Bundesregierung bekannt, dass sie die Deutsche Islamkonferenz (DIK) fortsetzen will. Zuvor hatte sie sich in dieser Frage längere Zeit bedeckt gehalten.

Ob die Gespräche mit muslimischen Institutionen in der bisherigen Form der DIK erfolgen sollten oder ob diese weiterentwickelt werde, sei noch offen, erklärte zu Jahresbeginn ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Einiges auf dem "Wunschzettel"

Jetzt betont Ressortleiterin Nancy Faeser (SPD), die DIK bleibe das zentrale Forum für den Dialog des Staates mit Muslimen, um gesellschaftlichen Zusammenhalt und Teilhabe zu fördern. Zuständig für das Thema ist demnach Staatssekretärin Juliane Seifert. Unter ihrer Regie liefen die Planungen und Beratungen dazu, welchen Schwerpunktthemen die DIK sich in den kommenden Jahren widmen werde, hieß es.

Bei Aiman Mazyek stünde schon einiges auf dem Wunschzettel. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland nennt im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) unter anderem die "Einbürgerung des Islam in Deutschland" sowie Fragen der islamischen Seelsorge und des islamischen Wohlfahrtswesens.

Aiman Mazyek / © Sebastian Kahnert (dpa)
Aiman Mazyek / © Sebastian Kahnert ( dpa )

Der demografische Wandel beschäftige in zunehmendem Maße die Moscheegemeinden in Deutschland, führt Mazyek zur Begründung an. Auch im Kampf gegen antimuslimischen Rassismus ist nach Ansicht des Zentralratsvorsitzenden noch einiges zu tun.

Zuletzt hatte Mazyek allerdings in seinem Dachverband andere Kämpfe auszufechten. Im Januar trennte sich der Zentralrat von der Deutschen Muslimischen Gemeinschaft (DMG), einem Gründungsmitglied.

Zu den Details lassen beide Seiten öffentlich kaum etwas verlauten. Die 1958 gegründete DMG, die bis zu ihrer Umbenennung im September 2018 als Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) firmierte, ist laut Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz die wichtigste und zentrale Organisation von Anhängern der islamistischen Muslimbruderschaft in Deutschland.

Gegen diese Einschätzung hatte die DMG 2019 Klage eingereicht, sie aber im vergangen Jahr zurückgezogen. Man befürchte, "dass bei einer zu erwartenden überwiegend formal-juristischen Betrachtung von Zuschreibungen die inhaltliche Auseinandersetzung um die vorgebliche Verfassungsfeindlichkeit von Handelnden und Positionen der DMG zu kurz kommen würde", teilte der Verband damals mit.

Trennung des Zentralrats von der DMG

Gut möglich, dass dieser Rückzug ein Auslöser für die nun vollzogene Trennung des Zentralrats von der DMG ist. Dem Schritt sei ein mehrjähriger Prozess vorausgegangen, sagt Mazyek, der zugleich betont, dass man sich bei der Aufarbeitung von Extremismus-Vorwürfen Zeit nehme und sich nicht von außen drängen lasse. Hinzu kommt, dass für das politische Gewicht des Zentralrats ein solcher Verlust durchaus schmerzhaft ist.

Nach dem Ausscheiden der DMG dürfte der Dachverband schätzungsweise noch rund 200 Moscheegemeinden vertreten. Selbst wenn man weitere Institutionen und Vereine hinzurechnet, vertritt der Zentralrat auf dem Papier damit deutlich weniger Muslime als beispielsweise der deutsch-türkische Moscheeverband Ditib mit seinen mehr als 850 Moscheevereinen. Und: Mit der Atib, die den türkischen "Grauen Wölfen" nahe stehen soll, hat der Zentralrat eine weitere offene Baustelle.

Die Atib distanziere sich von der rechtsradikalen Bewegung, sagt Mazyek im KNA-Interview. Zudem habe Atib öffentlich angeboten "und bei etlichen Stiftungen bereits angefragt, ein unabhängiges Gutachten über sie erstellen zu lassen". Leider habe sich dazu bisher keine Institution bereit erklärt. "Ich habe bisher den Eindruck, dass sich Atib seit den erhobenen Vorwürfen vor über einem Jahr den Problemen stellt und versucht, auf die Vorwürfe dezidiert einzugehen", so Mazyek weiter.

Die Debatte um einzelne Mitgliedsverbände im Zentralrat dürfte eine Strukturreform beschleunigen, die bereits seit 2016 in vollem Gange ist. Zu den eigentlichen Playern sollen künftig Landesverbände aufsteigen. Neun davon gibt es bereits, weitere drei kommen Mazyek zufolge bald hinzu. Schon jetzt sei deren Stimmanteil größer als jener der ursprünglichen Mitglieder.

Fragezeichen bleiben

Es bleiben jedoch Fragezeichen, folgt man der Darstellung des ehemaligen Grünen-Abgeordneten Volker Beck. Der machte unlängst einen Instagram-Post von Mehmet Celebi öffentlich. "Zu sehen sind zwei Kinder im Schwimmbecken mit ihrer Mutter ('World's Attention'). Die Mutter hält - zynischerweise - ein lachendes Kind mit der Aufschrift 'Ukraine' hoch, während das andere mit der Aufschrift 'Palestine' zu ertrinken droht", schreibt Beck. "Der Vorwurf ist so widerlich wie unmissverständlich: Während die Welt das Elend der Ukrainer wahrnimmt, droht Palästina zu sterben - ohne dass die restliche Welt Notiz nimmt."

Volker Beck / © Roland Weihrauch (dpa)
Volker Beck / © Roland Weihrauch ( dpa )

Beck weiter: "Mit dieser Art von Opferkonkurrenz oder mit islamistisch-nationalistischen Posts vergiftet Mehmet Celebi immer wieder das politische Klima." Celebi ist einer der Stellvertreter von Zentralratspräsident Mazyek - und langjähriger Atib-Funktionär. Auch die DMG ist in Gestalt von Houaida Taraji weiterhin im aktuellen Vorstand des Zentralrats vertreten. Vielleicht ändert sich das mit den nächsten Vorstandswahlen. Sie könnten, so ist zu hören, noch in der ersten Hälfte dieses Jahres stattfinden.

Zentralrat der Muslime

Von den etwa vier Millionen in Deutschland lebenden Muslimen ist nur ein Teil in religiösen Gemeinden oder Vereinen organisiert. Religiöse Gemeinschaften müssen keine Mitgliederzahlen nennen - eine exakte Übersicht gibt es nicht.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit Sitz in Köln ist der bekannteste der Verbände. Er hat 24 muslimische Organisationen als Mitglieder. Unter den Dachverbänden gehört er aber zu den kleinen - mit 300 Moscheegemeinden und 15 000 bis 20 000 Mitgliedern. Damit vertritt er eine Minderheit der Muslime in Deutschland. (dpa)

Symbolbild Islam / © okanozdemir (shutterstock)
Autor/in:
Joachim Heinz
Quelle:
KNA