domradio.de: Herr Bischof, Sie haben einen Brief an alle deutschen Diözesanbischöfe geschrieben und zur Hilfe aufgerufen. Worum geht es Ihnen genau?
Bischof Zdarsa: Der Insolvenzverwalter benötigt zur geordneten Fortführung seiner Maßnahmen eine Anschubfinanzierung. Das ist eine Summe, die zunächst aufzubringen ist, aber dann wahrscheinlich noch weitere Auslagen nach sich zieht. Weil die Zeit drängt, hat sich das Bistum Augsburg bereiterklärt, gewissermaßen in Vorkasse zu gehen unter der Bedingung, dass sich dann dieser recht umfangreichen Finanzierung auch die anderen Bistümer im Rahmen ihrer Zusagen anschließen, die sie schon einmal im Herbst gegeben haben. Das müsste dann entsprechend einem Schlüssel erfolgen, auf dem man sich schon einmal geeinigt hat und von dem das BIstum Augsburg erwartet, dass es gleichberechtigt mit den anderen Diözesen berücksichtigt wird.
domradio.de: Was ist denn aus der damaligen Zusage der Bistümer über 65 Millionen Euro geworden?
Bischof Zdarsa: Es ging im Herbst um die Umstrukturierung und Neuaufstellung des Unternehmens, und dafür waren nach einem Gutachten 65 bis 70 Millionen Euro erforderlich. Und die gilt es jetzt wenigstens der Zusage nach aufzubringen, damit es überhaupt weitergehen kann.
domradio.de: Ist das jetzt nur eine kurzfristige Hilfe, oder geht es Ihnen um langfristigen Erhalt des Konzerns?
Bischof Zdarsa: Das steht in den Sternen! Es geht vor allem um den Erhalt des Konzerns in der gegenwärtigen Situation als Ganzes, damit er nicht in verschiedene Filetteile zerschlagen wird. Auf diese Weise werden auch die Arbeitsplätze eher gesichert bleiben, als wenn das Unternehmen auflöst wird und an den Meisbietenden geht.
domradio.de: "Es steht zu erwarten, dass der "Fall Weltbild' ohne flexibles und solidarisches Verhalten der Kirche an öffentlicher Brisanz weiter zunimmt." Das schreiben Sie an die Bischöfe. Was befürchten Sie?
Bischof Zdarsa: Ich befürchte die Ausweitung der schon jetzigen Äußerungen in den Medien und der Wirtschaft. Weil da auch manche Informationen kuriseren, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. Wenn ich z.B. die Meldungen lese, man habe Weltbild in die Insolvenz gehen lassen, um das Unternehmen loszuwerden.
domradio.de: An Weltbild gibt es schon lange Kritik. Es ging um inhaltliche Fragen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Soll es dann mehr religiöse Inhalte geben?
Bischof Zdarsa: Das ist der springende Punkt. Es ist die Frage, ob ein so großes Handelsunternehmen noch in einer Weise betrieben werden kann, dass es für uns ein brauchbares Instrument ist zur Verbreitung katholischer Inhalte. Dieses Unternehmen ist so breit aufgestellt, dass das nicht so ohne weiteres umzustellen ist auf einen einzigen Bereich. Von daher wäre es vielleicht sinnvoller, ein kleineres Unternehmen zu betreiben, das sich dann auf die Aufgabe konzentrieren kann, katholische Inhalte zu verbreiten.
Das Interview führte Uta Vorbrodt.