Bischof von Kopenhagen sieht aktuelle Krisen mit Sorge

"Wir werden weiterhin Hilfe benötigen"

Krieg, Klimakrise, Inflation: Das geht auch an den Menschen in Skandinavien nicht spurlos vorbei, sagt Bischof Czeslaw Kozon. Eine Mutlosigkeit sieht er jedoch nicht. Froh ist er dennoch über die Unterstützung des Bonifatiuswerkes.

Straßenszene in Kopenhagen / © Shalom Rufeisen (shutterstock)
Straßenszene in Kopenhagen / © Shalom Rufeisen ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: In Deutschland sind viele Menschen gerade ganz schön mutlos. Krieg, Klimakrise und Corona ist auch immer noch nicht so richtig vorbei. Wie sieht das bei Ihnen in Skandinavien aus?

Bischof Czeslaw Kozon (Bischof von Kopenhagen und Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz): Mutlos ist vielleicht ein starkes Wort. Das ist nicht gerade mein Eindruck, aber besorgt ist man bestimmt. Denn das, was sich in der Welt mit dem Krieg und den großen Klimafragen und der nur knapp überstandenen Pandemie ereignet, ist etwas, das auf die dänische Gesellschaft und das Leben der Menschen großen Einfluss hat.

Mein Eindruck ist, dass es vorangeht. Aber natürlich gibt es konkrete Probleme. Auch die Energiekrise, die Inflation hat hier natürlich ihre Einflüsse. Natürlich gibt es Menschen und auch Betriebe, die darunter leiden.

Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen / © Julia Steinbrecht (KNA)
Czeslaw Kozon, Bischof von Kopenhagen / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit als katholische Kirche aus?

Kozon: Als Verbraucher von Energie leiden wir da auch ein bisschen drunter. Aber als Minderheit sind wir ja nicht so von der großen Gesellschaft gefragt. Wir versuchen in unseren Gemeinden zurecht zu kommen und das tägliche Leben irgendwie zu gestalten. Aber bis jetzt hat das noch keine großen Unterschiede bedeutet.

DOMRADIO.DE: Ein Stichwort sind vielleicht die vielen Geflüchteten aus der Ukraine. In Deutschland haben sehr viele Zuflucht gesucht und ich nehme an, dass auch da die kleinen Diasporakirchen in Skandinavien gefragt sind, oder?

Blick auf Kopenhagen / © Sergii Figurnyi (shutterstock)
Blick auf Kopenhagen / © Sergii Figurnyi ( shutterstock )

Kozon: Nicht nur die Diasporakirche, auch die dänische Gesellschaft und die Staatskirche haben sich sehr um die Flüchtlinge gekümmert. Aber es ist sehr natürlich, dass wir uns als katholische Kirche besonders darum sorgen. Wir haben auch schon vorher eine ukrainische Gemeinde gehabt und jetzt noch zwei ukrainische Priester, die in dieser Zeit besonders gefragt sind.

DOMRADIO.DE: Wie wichtig ist für Sie in dieser Situation die Unterstützung aus Deutschland vom Bonifatiuswerk?

Kozon: Eigentlich ist das unabhängig von der jetzigen Situation. Wir hatten diese große Hilfe immer nötig und werden sie auch weiterhin benötigen.

Wir sind dem Bonifatiuswerk außerordentlich dankbar, dass es noch weiter möglich ist, Gesuche einzureichen und dass man sich von Seiten des Bonifatiuswerkes so sehr für die Diasporakirche des Nordens interessiert und dass wir außer der finanziellen Hilfe auch dieses kirchliches Miteinander entwickeln können, sodass es eine weltkirchliche Verbindung gibt, die uns eine sehr große Ermunterung ist.

DOMRADIO.DE: Das Motto der Diasporaaktion in diesem Jahr heißt "Vom Dir zum Wir". Wie interpretieren Sie das ganz persönlich?

Kozon: Ich sehe da zwei Zugänge: zu Gott und zu den Mitmenschen. Wenn wir uns an Gott wenden und Gott mit Du anreden, dann wird eine besondere Gemeinschaft zwischen ihm und uns deutlich. Eben, dass wir nicht isoliert bleiben.

Dasselbe gilt eigentlich auch für die Mitmenschen. Wenn wir uns an sie wenden oder sie persönlich ansprechen und in jedem Fremden einen Mitmenschen sehen, dann werden wir auch zu einer Gemeinschaft.

Das ist gerade auch in der Botschaft des Heiligen Vaters zum Welttag der Armen deutlich geworden, den wir am Sonntag gefeiert haben. Da kommt das auch zum Ausdruck, sodass sich durch einen sehr glücklichen Zufall die beiden Mottos manifestieren und zum Ausdruck kommen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Bonifatiuswerk in Kürze

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken mit Sitz in Paderborn unterstützt Katholiken in einer Minderheitensituation, der sogenannten Diaspora, in Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum. Das Wort Diaspora kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Zerstreuung".

Das Bonifatiuswerk wurde 1849 in Regensburg vom Katholischen Verein Deutschlands als "Missionsverein für Deutschland mit dem Namen Bonifatius-Verein" gegründet. Namensgeber ist der als Apostel der Deutschen geltende heilige Bonifatius (672/675-754).

Schild mit Logo am Eingang des Hauptsitzes des Bonifatiuswerkes / © Andreas Kühlken (KNA)
Schild mit Logo am Eingang des Hauptsitzes des Bonifatiuswerkes / © Andreas Kühlken ( KNA )
Quelle:
DR