Bischof Jung veröffentlicht neues Buch zum Katholikentagsmotto

Den Blick für Arme nicht verlieren

Ein neues Buch zum Katholikentag greift das Motto "Hab Mut, steh auf" auf. Würzburgs Bischof Franz Jung betont darin die Verantwortung der Kirche für Menschen in Not. Auch andere Katholiken bringen ihre Perspektiven ein.

Bischof Franz Jung in Würzburg / © Hannah Krewer (KNA)
Bischof Franz Jung in Würzburg / © Hannah Krewer ( KNA )

Wenn die Kirche den Blick für die Armen verliert, hat sie ihre Mission verfehlt. Davon ist Würzburgs Bischof Franz Jung überzeugt. Auch alle Prozesse der Neustrukturierung müssten danach befragt werden, ob sie dieser Mission dienen, schreibt Jung in einem Beitrag für ein neues Buch zum Katholikentagsmotto "Hab Mut, steh auf." 

Die Kirche selbst sei dabei nicht wichtig, sondern nur ein Werkzeug. Es gelte, mit den Menschen nach notwendigen Erfordernissen zu suchen und gemeinsam die vorhandenen Ressourcen zu aktivieren. In der Gesellschaft gebe es viel Not, führt Jung aus. "Durch mein Engagement bei der Bahnhofsmission habe ich in den vergangenen Jahren viel gelernt über Lebensgeschichten, Brüche und existenzielle Katastrophen." 

Täglich rollen neue Herausforderungen auf die Helfer der Bahnhofsmission zu / © Ina Rottscheidt (DR)
Täglich rollen neue Herausforderungen auf die Helfer der Bahnhofsmission zu / © Ina Rottscheidt ( DR )

Es sei oft ein jahrelanger Weg, bis Menschen wieder Zutrauen zu sich gewännen. Jung führt als Beispiel die Bibelstelle zur Heilung des blinden Bartimäus an, aus der das Motto entnommen ist. "Wie bei Bartimäus ist es ein mühsamer, ein kräfteraubender Prozess, bis die Scham über das eigene Schicksal überwunden wird." 

Nicht von oben herab helfen 

Helfer müssten der Versuchung widerstehen, Betroffene zu verurteilen, so Jung. Viel mehr brauche es Zuspruch und Begleitung, was bei beiden Seiten viel Geduld und Ausdauer voraussetze. "Hilfe zur Selbsthilfe ist kein väterliches 'Ich weiß, was für dich gut ist'", betont er.

Werbelinie zum Katholikentag 2026 in Würzburg (Katholikentag)
Werbelinie zum Katholikentag 2026 in Würzburg / ( Katholikentag )

Die Kirche müsse dabei helfen, die Stimme Gottes wahrzunehmen, damit diese Wahrheiten nicht totes Wissen blieben. Für die persönliche Christus-Beziehung empfiehlt er, sich in die Stille zu begeben. Wege zur Aneignung des Glaubens seien dabei durchaus vielfältig. 

Das Buch mit dem Untertitel "Ermutigungen, das Leben in die Hand zu nehmen" enthält neben dem Beitrag Jungs auch Texte von Katholiken aus vielen anderen Bereichen des Bistums. Diese besprechen das Motto des Katholikentags unter anderem aus Sicht der Caritas, von Ordensleuten, der Seelsorge, der Weltkirche und der akademischen Theologie sowie aus der Perspektive queerer Christen. 

Das Buch und der Katholikentag sollten dem Gefühl von Ohnmacht angesichts der Weltlage etwas entgegensetzen, schreibt Jung im Geleitwort. 

Katholikentage

Deutsche Katholikentage sind Treffen, bei denen sich die Kirche mit ihren Verbänden und Institutionen über mehrere Tage der Öffentlichkeit präsentiert. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt.

Bei Katholikentagen diskutieren zehntausende Christen über kirchliche und gesellschaftspolitische Themen und feiern Gottesdienste. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK); Gastgeber ist die jeweilige Diözese des Austragungsortes.

Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!"  / © Hannah Krewer (KNA)
Logo des 104. Deutschen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!" / © Hannah Krewer ( KNA )
Quelle:
KNA