Bischof Ipolt ruft zu Verzicht und Teilen auf

Ohne Verzicht geht es nicht

Was sind die Grundpfeiler einer Gesellschaft? Für den Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt ist es vor allem die Bereitschaft auf Verzicht. Dieser werde besonders in Anbetracht des demografischen Wandels immer wichtiger.

Der Bischof von Görlitz Wolfgang Ipolt / © Julia Steinbrecht (KNA)
Der Bischof von Görlitz Wolfgang Ipolt / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hat zu Verzicht und Bereitschaft zum Teilen aufgerufen. "Ohne das wird ein menschliches Zusammenleben nicht funktionieren", sagte Ipolt am Samstag beim Neujahrsempfang seines Bistums. Sinnbildlich für ein Gelingen dieser Werte seien die regelmäßigen Martinsfeiern im November. "Die Szene der Teilung des Mantels, die so viele Kinder und Erwachsene jedes Jahr darstellen, verbreitet die Botschaft: Teilen ist eine gute Sache." Teilen und Verzicht seien auch vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft von Bedeutung.

Darüber hinaus sprach sich Ipolt für die Brauchtums-Pflege und -Förderung aus. "Bräuche halten die Gesellschaft zusammen und sind oft eine Brücke zwischen der säkularen und der kirchlichen Welt." Das zeige sich auch bei der Sternsinger-Aktion, bei der regelmäßig als Heilige Drei Könige verkleidete Kinder von Haus zu Haus zögen und unter anderem auch das Bundeskanzleramt besuchten.

Kirche soll sich Gehör verschaffen

Bei dem Empfang für Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Politik und Gesellschaft wünschte der sächsische Kultusminister Conrad Clemens (CDU) mehr öffentliche Äußerungen der Kirche. "Wir brauchen eine laute Kirche", sagte er. "Die Gesellschaft zusammenzuhalten, kann die Politik nicht alleine stemmen." Die Kirche sei gefragt, sich zu positionieren. Auch dankte Clemens der katholischen wie der evangelischen Kirche für die Zusammenarbeit im beim Religionsunterricht in Sachsen.

Der Oberbürgermeister von Görlitz, Octavian Ursu (CDU), rief zu mehr Dialog und Respekt auf. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine und das Thema Rente machten vielen Menschen Angst. Einige Menschen kapselten sich ab und bauten sich eine eigene Welt mit eigenen Wahrheiten auf. "Die Frage ist: Bleibe ich in meiner Blase, die meine Einstellungen bestätigt, oder bin ich bereit, andere Perspektiven zu akzeptieren? Versuchen wir, nicht auf jeder Empörungswelle mitzuschwimmen."

Das Bistum Görlitz ist mit gut 29.000 Katholiken das kleinste Bistum der katholischen Kirche in Deutschland.

Quelle:
KNA