Bischöfe rufen an Weihnachten zu Zusammenhalt auf

"Fürchtet Euch nicht"

Christen in Deutschland haben unter dem Eindruck der Corona-Pandemie Weihnachten gefeiert. Vielerorts wurden öffentliche Gottesdienste aufgrund der hohen Infektionszahlen ganz abgesagt oder die Teilnehmerzahlen stark begrenzt.

Corona-Weihnacht: Mundschutz-Engel / © Harald Oppitz (KNA)
Corona-Weihnacht: Mundschutz-Engel / © Harald Oppitz ( KNA )

Bistümer, Landeskirchen und Gemeinden luden zu Online-Gottesdiensten ein. Die 27 katholischen deutschen Ortsbischöfe versuchten, in ihren Weihnachtsbotschaften Hoffnung zu verbreiten und riefen zu Solidarität sowie Nächstenliebe auf. Erstmals in der Geschichte des deutschen Fernsehens wandten sich die obersten Repräsentanten der beiden großen Kirchen an Heiligabend direkt nach der Tagesschau mit einem Ökumenischen Wort zur Corona-Krise an die ARD-Zuschauer.

Darin ermunterten der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, die Bürger dazu, die Krisensituation als "Einladung zum bewussten Leben" und als "Aufforderung zu einem neuen Miteinander" zunehmen. Es sei wichtig, auch in diesen Tagen Rücksicht aufeinander zu nehmen und so menschliches Leben zu schützen.

Eine zentrale Botschaft von Weihnachten sei: "Fürchte Dich nicht. Wir müssen nicht aus der Angst leben. Denn Gott wird uns in all dem begleiten, uns beistehen und uns Kraft geben, mit der Situation umzugehen."

"Fest der Menschenwürde"

In seiner Predigt am ersten Weihnachtstag bezeichnete der Limburger Bischof Bätzing Weihnachten als "Fest der Menschenwürde". Zugleich beklagte er, dass fremdenfeindliche, antisemitische, islamistische, rechts- und linksextreme Gewalt weltweit zunähmen. Zudem hätten pädokriminelle Verbrechen wie der Missbrauchskomplex von Münster ein schockierendes "Ausmaß des Grauens" offenbart.

Mit Blick auf Missbrauchsfälle in der Kirche fügte Bätzing hinzu: "Der Missbrauch in der Kirche ist so lange nicht Vergangenheit, wie Betroffene körperlich und seelisch davon schwer gezeichnet unter uns leben und sich selbst als 'Überlebende' bezeichnen."

Mit Hoffnung die Krise bewältigen

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck kritisierte "verschwörungstheoretische Abgründe" und "unzeitgemäße Apokalyptik" in der Corona-Pandemie. Für Christen sei die Hoffnung die zentrale Kraft zur Bewältigung der Krise. "Wir gehören zu jenen, die diese Zeit als eine Prüfung wahrnehmen, wie sie im Leben vorkommt." In der Krise selbst würden viele Zeichen der Hoffnung deutlich, so der Ruhrbischof.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst äußerte die Hoffnung, dass die Menschen auch nach dem Ende von Corona wüssten, dass sie nicht von Wohlstand, Geld und Besitz, sondern von zwischenmenschlichen Beziehungen lebten. Weil Gott zu den Menschen gekommen sei und bleibe, könnten Menschen Einsamkeit und Not teilen.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch betonte, die christliche Weihnachtsbotschaft gebe Trost in der gegenwärtig schwierigen Zeit.

Ähnlich äußerte sich Dresdens Bischof Heinrich Timmerevers. Im Jesus-Kind in der Krippe komme den Menschen die Liebe Gottes entgegen. Er wünsche sich, dass dies neue Zuversicht gebe angesichts zahlreicher gesellschaftlicher und persönlicher "Baustellen".

"Gott bleibt uns nicht auf Abstand"

Die christliche Weihnachtsbotschaft mit ihrem "Fürchtet Euch nicht" passt laut dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige gut in die gegenwärtige Pandemie-Zeit. "Mag es sich um eine konkrete Furcht vor Ansteckung handeln oder um eine tiefe Existenzangst, die das Virus ausgelöst hat, Gott will uns nahe sein und uns in allen Nöten und Schwierigkeiten beistehen. Dazu ist er Mensch geworden", so der Bischof.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße verwies auf die menschlichen, seelischen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie. "Mit dem Verstand ist jedem klar, wie wichtig all diese Kontaktbeschränkungen für uns gerade jetzt sind, aber mit dem Herzen sind sie nur sehr schwer auszuhalten. Wir sind Menschen mit Leib und Seele", sagte er. Vor diesem Hintergrund sei die Botschaft des Weihnachtsfestes eine ganz besondere: "Gott bleibt uns nicht auf Abstand; er ist kein kontaktloser Gott, nicht unnahbar", sondern komme jedem einzelnen Menschen nahe, indem er selbst Mensch werde.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr bezeichnete Weihnachten als möglichen Wendepunkt in der Pandemie."In diesem Jahr ist Weihnachten für alle Menschen ein Fest der Hoffnung, dass die dunklen Tage der Bedrohung durch das Coronavirus und der Infektionsschutzmaßnahmen bald zu Ende gehen, dass der Höhepunkt der Pandemie erreicht ist und die Bedrohung abnimmt und sogar ganz verschwindet."

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer sagte, es gebe ein "Grundrecht auf Hoffnung", gerade auch anWeihnachten. "Die Kraft der Hoffnung lässt uns ahnen, dass es eine Zeit nach Corona geben wird und dass diese Zeit eine andere, eine bessere sein wird, weil wir aus der Krise gelernt haben. Hoffentlich!" 

An andere denken

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann mahnte zu besonderer Anteilnahme am Schicksal notleidender Menschen, genau so wie der Freiburger Erzbischof Stephan Burger.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann erinnerte an das Weihnachtswort der Engel an die Hirten in Bethlehem: "Fürchtet euch nicht!" Gerade in einer Zeit "gesteigerter Ängste, in der Menschen Angst haben, krank zu werden, andere anzustecken, sich falsch zu verhalten, um ihre Existenz bangen oder wie nach der Amokfahrt in Trier trauern und verunsichert sind", sei dies eine wichtige Gegenbotschaft, sagte Ackermann.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick stellte das Schicksal von jungen Menschen in den Mittelpunkt seiner Weihnachtspredigt. Bei aller Sorge um die älteren Menschen dürften in Zeiten der Corona-Krise die Kinder und Jugendlichen nicht vergessen werden. Kinderreiche Familien müssten während der Corona-Krise auf engstem Raum leben und spielen. Er denke auch an jene, die Gewalt erlebten oder selbst erlitten. Zudem erinnerte Schick an Kinder im Ausland, die Kinderarbeit leisten müssten anstatt zu spielen und zu lernen, und an jene, die in Flüchtlingscamps oder Kriegsgebieten lebten.

AHA: Annahme, Heil, Anbetung

Die Corona-Schutzformel AHA (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske) lässt sich an Weihnachten laut Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt auch christlich buchstabieren: "Annahme, Heil, Anbetung - daran werden wir 2020 erinnert. Das sind 'AHA-Glaubensworte', mit denen wir das Fest feiern."

Eine "Pandemie der Einsamkeit" beobachtet der Fuldaer Bischof Michael Gerber. Gegen Covid-19 gebe es inzwischen einen Impfstoff, "doch wie sieht es mit der Einsamkeit aus?" Die Sehnsucht, "ein Gegenüber zu haben, das auf meine Empfindungen reagiert", zeige sich gerade an diesem Weihnachten 2020. 

Nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx kündet die Weihnachtsbotschaft von einer radikalen Verbindung von Himmel und Erde. Gott sei zu Hause "mitten in unserer Welt, gerade in der Corona-Zeit", sagt der Erzbischof von München und Freising. "Er ist da: auf den Intensivstationen und in den Pflegeheimen, er ist zu Hause bei den Obdachlosen, bei denen auf der Flucht und bei den Kindern auf der Insel Lesbos." Genauso sei Gott gegenwärtig, wenn im kleineren Kreis Weihnachten gefeiert werde, und dort, wo Menschen nur für sich leise ein "Stille Nacht" sängen.

"Jesus ist keine Schlagwaffe"

Der Augsburger Bischof Bertram Meier rief die Christen zu Mäßigung in innerkirchlichen Konflikten auf. Jesus sei keine Schlagwaffe, "mit der wir aufeinander eindreschen könnten".

Der Würzburger Bischof Franz Jung appellierte an die Menschen, an Niederlagen nicht zu verzweifeln. Weihnachtenlehre, dass das Dunkel dabei helfe, neu das Licht zu sehen. "Weil wir gelernt haben, dass wir stark sind, wenn wir unsere Schwäche annehmen. Weil wir neu anfangen dürfen aus der Kraft der Vergebung. Weil wir zu neuen Menschen geworden sind durch Krisen und Niederlagen hindurch."

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf warb um Zuversicht trotz der bestehenden Krise. Auch wenn es wegen Corona diesmal keine ausgelassenen und fröhlichen Weihnachten seien: "gnadenreiche" seien es in jedem Fall.

Nach den Worten des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode fordert Weihnachten heraus, die Menschenfreundlichkeit Gottes in dieser Welt zu leben. Der Mensch solle sich durch Hass und Ausbeutung nicht selbst zum Virus machen lassen, sondern "ansteckend" sein in der Liebe und im Erbarmen, mahnte er.

"Wir wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt"

Münsters Bischof Felix Genn dankte Ärzten und Pflegekräften für den Dienst an den Kranken in der Corona-Pandemie. Sie hätten sich "über Gebühr und über ihre Kräfte hinaus" im Kampf gegen das Virus engagiert.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer würdigte das Engagement all derer, die an Weihnachten in Krankenhäusern oder in Hospizen ihren Nachtdienst leisteten.

Aus Sicht des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki zeigt Gott an Weihnachten in besonderer Weise seine Liebe zuden Menschen. Mit der Geburt seines Sohnes wolle er "den Abstand zwischen uns und ihm überwinden".

Der Aachener Bischof Helmut Dieser bekundete Verständnis für die Wünsche der Menschen nach Leben, Liebe, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Überwindung der Pandemie und Ehrlichkeit. "Wir wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt und die Lügner nicht grinsend Recht behalten." Gott erfülle dabei die Wünsche der Menschen viel tiefer, als sie es selbst auf Anhieb verstünden.

Selbst aktiv werden

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker rief die Christen auf, die Globalisierung aktiv mitzugestalten. Die Corona-Pandemie habe in diesem Jahr gezeigt, wie sehr die Weltgesellschaft verbunden sei. Dabei dürfe es aber nicht nur um technischen Fortschritt und ökonomischen Nutzen gehen. "Ohne eine religiöse und moralische Globalisierung hat die eine Welt keine Zukunft", sagte der Erzbischof.

Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus als Einladung zu sehen selbst Mensch zu werden, dazu forderte derEichstätter Bischof Gregor Maria Hanke die Gläubigen auf.

Der Passauer Bischof Oster sagte, die von vielen erfahrene Armut an diesem Weihnachtsfest, aber auch die Freiheit von allem möglichen Aktionismen, könne den Menschen in eine neue innere Bewegung führen und ihm zu verstehen geben: Gott komme von selbst durch Jesus in die Welt und lasse von sich aus Weihnachten werden.

Quelle:
KNA