Tausende feiern friedlich in Geburtsstadt Jesu

"Bethlehem ist an Weihnachten das Zentrum der Welt"

Tausende feierten in Bethlehem Weihnachten. Dabei standen ruhigere Töne im Vordergrund. Das ureigene Fest der Geburtsstadt Jesu ist bisher friedlich verlaufen.

Bethlehem (Reuters)

"Lailat al-Milad", so klingt es von der zentralen Bühne auf dem Krippenplatz in Bethlehem: "in der Weihnacht wird der Hass schwinden und die Liebe geboren". Das traditionelle arabische Weihnachtslied fängt die Stimmung ein: Friedlich versammelten sich am Montag Tausende Menschen zum ureigenen Fest der Geburtsstadt Jesu. Christen und Muslime, Einheimische, Touristen und Pilger feierten gemeinsam.

"Ich hätte nicht gedacht, dass hier so eine Party ist", sagt Sofia aus Berlin. Die Deutsche und ihr Freund sind "aus Zufall" hier gelandet: "Wollen wir Weihnachten ins Gelobte Land ziehen?, habe ich aus Scherz gefragt – und er hat ja gesagt."

Weihnachten im "Zentrum der Welt"

Alles andere als Zufall ist der weihnachtliche Besuch für Landsmann Manfred Meyer aus Ottersweier. "Bethlehem ist an Weihnachten das Zentrum der Welt", sagt der Rentner, den es jedes Jahr mehrfach ins Heilige Land zieht. Die Worte von Patriarchatsleiter Erzbischof Pierbattista Pizzaballa dürften Meyer aus dem Herzen sprechen.

"In dieser Nacht, im Feiern von der Geburt Christi in Bethlehem, verkünden wir zusammen mit den Engeln Liebe für dieses Land, für seine Städte", hatte das Oberhaupt der lateinischen Katholiken Heiligen Land in der Christmette gepredigt.

Sicherheitskontrollen sind weiter nötig

Doch während Sofia und ihr Freund zu den vielen gehören, die keines der begehrten Einlasstickets zur zentralen Feier in der Katharinenkirche erhalten haben, hat Manfred Meyer bewusst auf seine Karte verzichtet. Er wird die Weihnacht auf den Hirtenfeldern verbringen, zusammen mit dem deutschen Priester Andreas Fritsch vom "Christian Information Center", dem Jerusalemer Pilgerbüro der Franziskaner. "Es ist ruhiger und meditativer", sind sich die beiden einig.

Doch auch in der Stadt sei die Stimmung entspannt, sagt Fritsch. Taschen- und Personenkontrollen, wie es sie in den Vorjahren beim Betreten des Krippenplatzes schon mal gab, blieben diesmal aus. Allerdings sei sein Eindruck, dass es auch weniger Besucher als in Vorjahren seien, so Fritsch – "zumindest dafür, dass so viele Menschen im Land zu Besuch sind".

Fast 3 Millionen Besucher in Bethlehem

In der Tat erlebten die palästinensischen Gebiete ähnlich wie Israel in diesem Jahr einen Touristenboom. Die Hotels in Bethlehem sind seit dem Herbst quasi ausgebucht, und die Besucherzahlen in Palästina dürften bis Jahresende die 2,8-Millionen-Marke überschreiten, schätzt die palästinensische Tourismusministerin Rula Maayaa.

Längst nicht alles war gut in diesem Jahr, erinnerte Erzbischof Pizzaballa in seinen Grußworten an den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, der wie jedes Jahr an der Christmette teilnahm. Tatsächlich hatten Proteste, Zusammenstöße und eine neuerliche Eskalation der Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt weite Teile des Jahres geprägt. Doch wie die Mosaiken in der Geburtskirche nach ihrer gründlichen Reinigung zu diesem Weihnachtsfest erstmals ohne durch Baugerüste verstellten Blick in ihrem Glanz zu genießen seien, müsse man den durch Staub und Dreck hindurch die Schönheit der Realität sehen. Solange es engagierte Menschen und Projekte gebe, so Pizzaballa, "haben wir Hoffnung".

Welchen Weihnachtswunsch haben die Christen in Bethlehem?

Ein besonderes Projekt ist unterdessen für die kleine maronitische Gemeinde in Bethlehem zu diesem Weihnachtsfest Wirklichkeit geworden: Abbas kam am frühen Abend persönlich vorbei, um einem Wunsch von Priester Jakoub Eid zu entsprechen. Zum 120. Todestag des libanesischen Nationalheiligen Charbel benannte Abbas die Straße, an dem die dem Heiligen geweihte Kirche liegt, in "Sankt-Charbel-Straße" um.

Auch dem größeren Weihnachtswunsch kam der maronitische Ordensmann an diesem Abend näher. "Abu Mazen hat uns vor zwei Jahren ein Grundstück für eine größere Kirche gekauft; heute hat er erklärt, er werde auch deren Bau finanzieren", so Eid. Auch wenn es nur wenige maronitische Christen in Bethlehem gebe, sei die bisherige Kirche zu klein. "Sankt Charbel ist der einzige Ort, an den Christen aller Konfessionen und auch Muslime zum Beten kommen" – neben der Geburtskirche natürlich, die wie jedes Jahr auch an diesem Weihnachtsfest zum Zentrum der Welt wird.

Geburtsstern in Bethlehem / © Andrea Krogmann (KNA)
Geburtsstern in Bethlehem / © Andrea Krogmann ( KNA )
Autor/in:
Andrea Krogmann
Quelle:
KNA
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