Bestatter wollen wegen Gas-Krise vorrangig beliefert werden

"Wenn das Gas zur Einäscherung fehlt"

Von einem Worst Case, also dem schlimmsten Fall, geht die Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Bestatter aus, wenn den Krematorien das Gas fehle. Die Corona-Pandemie habe aber das Bewusstsein für die Systemrelevanz geschärft.

Verbrennungsofen des Krematoirums in Werl  (KNA)
Verbrennungsofen des Krematoirums in Werl / ( KNA )

Mit Blick auf drohende Verteilungskonflikte um Energie beharrt der Bundesverband Deutscher Bestatter auf der Systemrelevanz des Bestatterhandwerks und der Krematorien. "Der Worst Case träte ein, wenn Bestatter ihre Kühlanlagen nicht mehr betreiben können, oder wenn Krematorien das Gas zur Einäscherung fehlt", sagte Sprecherin Elke Herrnberger am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bis zu drei Viertel der rund eine Million Menschen, die in Deutschland jedes Jahr sterben, würden per Feuerbestattung beigesetzt. "Es geht um Daseinsvorsorge und Seuchenschutz", betonte Herrnberger. Der Verband sei mit den zuständigen staatlichen Stellen im Gespräch.

Sorge wegen steigender Preise wächst

Immer mehr Menschen in Deutschland bekommen die anhaltend hohen Preise im Alltag zu spüren. Im am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" gaben 40 Prozent der Befragten an, dass ihnen die Inflation persönlich große Probleme bereitet, Anfang April war das erst bei 34 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fall gewesen.

Steigende Lebensmittelpreise / © Denys Kurbatov (shutterstock)
Steigende Lebensmittelpreise / © Denys Kurbatov ( shutterstock )

Bereits seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 hätten sich die Bestatter erfolgreich für die staatliche Anerkennung als systemrelevante Berufsgruppe eingesetzt. "Praktisch alle Bundesländer zählen uns mittlerweile zur sogenannten kritischen Infrastruktur", sagte Herrnberger. So würden Bestattungsunternehmen bei Versorgungsengpässen inzwischen privilegiert. Noch 2020 hätten viele Bestatter lange Schwierigkeiten gehabt, an Infektionsschutz-Artikel wie Desinfektionsmittel, Handschuhe und Masken heranzukommen. Auch bei der Kinderbetreuung seien sie nicht privilegiert worden.

Man verabschiedet "sich genau einmal"

Doch auch unabhängig von gesundheitlichen Aspekten müsse die Trauerkultur in Zeiten nationaler Krisen unbedingt geschützt werden. "Sie verabschieden sich genau einmal von einem Menschen. Der letzte Anblick eines Toten und die Trauerfeier mit allem, was gelungen ist, oder eben nicht: Das bleibt Ihnen in Erinnerung", betonte Herrnberger. "Das musste und das müssen wir leider immer wieder ins politische Bewusstsein rufen."

Auf gleicher Linie fordert der Bestatterverband die Einführung der Meisterpflicht für Betriebs-Neugründungen. Derzeit sei es erlaubt, ohne jegliche formale Qualifikation ein Bestattungs-Unternehmen zu gründen, erläuterte Herrnberger. "Die Meisterpflicht würde sicherstellen, dass mindestens eine Person des neuen Betriebs gut ausgebildet ist." Zudem würden so automatisch mehr Ausbildungsbetriebe entstehen, an denen es derzeit mangele.

Quelle:
epd