DOMRADIO.DE: Die Schulkonferenz hat die Umbenennung einstimmig beschlossen. Margot Friedländer war bis zu ihrem Tod im Mai vergangenen Jahres oft an Ihrer Schule zu Gast. Wie haben Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler Margot Friedländer erlebt?
Henning Rußbült (Schulleiter des Hans-Carossa-Gymnasiums, das künftig Margot-Friedländer-Gymnasium heißen soll, in Berlin Spandau): Margot Friedländer haben wir als eine kleine, schmächtige Frau mit sehr großen und zugleich sehr verständlichen Botschaften wahrgenommen. Sie hat es geschafft, den Schülerinnen und Schülern das, was sie erlebt hat, nahezubringen und ihre Erfahrungen greifbar zu machen.
DOMRADIO.DE: Was bedeutet die Umbenennung für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrerinnen und Lehrer?
Rußbült: Für uns ist das die Möglichkeit, uns an Margot Friedländer zu orientieren. Das hat große Auswirkungen auf unser Leitbild, gerade mit Blick auf die zentralen Themen, die uns nicht nur in Berlin, sondern auch in Köln und in ganz Deutschland beschäftigen. Werte wie Menschlichkeit, Versöhnung statt Hass und Demokratieerziehung stehen dabei im Mittelpunkt. Margot Friedländer bietet einer Schule großartige Anknüpfungspunkte, um die inhaltliche Arbeit an ihr auszurichten.
DOMRADIO.DE: Welche Bedeutung haben Margot Friedländers Appelle an die Menschlichkeit und ihre Botschaften heute noch für uns?
Rußbült: Wenn man sich anschaut, was sie gesagt hat, dann steckt darin unglaublich viel, mit dem wir arbeiten können. Wie zum Beispiel bei ihrer Aussage: "Schaut nicht auf das, was euch trennt, sondern auf das, was euch verbindet. Seid vernünftig, seid Menschen". Gerade wenn wir sehen, in welche Richtung sich die Welt bewegt, wird deutlich, wie wichtig das Versöhnliche ist, nach dem wir streben.
Entscheidend ist auch das Miteinander: Es gibt kein christliches, kein jüdisches und kein muslimisches Blut, sondern nur menschliches Blut. Das sind Botschaften, die uns tief beeindrucken und auch bei den Schülerinnen und Schülern ankommen.
DOMRADIO.DE: Wie wird man eigentlich eine Margot-Friedländer-Schule? Bewirbt man sich oder wird das zugeteilt?
Rußbült: Wir haben sehr früh den ersten Schritt gemacht. Margot Friedländer war seit 2011 immer wieder bei uns, und wir hatten einen intensiven Kontakt. 2022 habe ich sie gefragt, ob sie sich vorstellen kann, dass unsere Schule ihren Namen trägt. Sie war sehr stolz und sehr gerührt. Der Prozess lief dann zunächst anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Nach ihrem Tod im vergangenen Jahr gab es ein Zeitfenster, in dem wir eine offizielle Bewerbung eingereicht haben. Diese war inhaltlich offenbar so überzeugend, dass wir schließlich für Berlin ausgewählt wurden. Das macht uns sehr, sehr stolz.
Das Interview führte Carsten Döpp.