Berliner Dompropst informiert über Kathedralen-Renovierung

"Prognosen sind immer schwierig"

Seit 2020 wird die Berliner St. Hedwigs-Kathedrale umgebaut. Das geht nicht ganz geräuschlos vonstatten. Neben dem Lärm beim Umbau begleitet auch Kritik die Renovierung. Für Dompropst Tobias Przytarski ist aber ein Ende in Sicht.

Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Kristian Barthen (KNA)
Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Kristian Barthen ( KNA )

DOMRADIO.DE: Ist der Streit komplett beigelegt?

Prälat Tobias Przytarski / © Markus Nowak (KNA)
Prälat Tobias Przytarski / © Markus Nowak ( KNA )

Prälat Tobias Przytarski (Dompropst der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale): Nein, das leider nicht. Das Gerichtsverfahren ist abgeschlossen. Mit den Denkmalbehörden haben wir inzwischen auch ein sehr gutes Verhältnis. Wir treffen uns einmal im Monat.

Aber es gibt natürlich immer noch eine ganze Reihe Leute, die mit dem Umbau hadern. Das hat auch ein bisschen was mit der eigenen Identität als Katholiken in der DDR zu tun, die sich an diesem Ort versammelt haben. Für die war es besonders wichtig und auch nur schwer erträglich, dass sich dieser Ort nun von innen verändert hat. Dafür habe ich auch ein gewisses Verständnis.

DOMRADIO.DE: Kürzlich gab es einen Rundgang in der St. Hedwigs-Kathedrale. Wie sieht es denn aktuell drinnen aus?

Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Detlef Bluhm (Erzbistum Berlin)
Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Detlef Bluhm ( Erzbistum Berlin )

Przytarski: Eigentlich ist die Hedwigs-Kathedrale ein bisschen dem Pantheon in Rom nachempfunden. Aber wenn man im Augenblick in der Kathedrale steht, erinnert sie mich eher an das Kolosseum, weil die Decke zwischen Ober- und Unterkirche jetzt ganz weg ist. Man guckt sozusagen von den Dächern der umliegenden Kapellen runter in die Unterkirche hinein. Also, es sieht schon sehr spannend aus im Moment.

DOMRADIO.DE: Es gab auch mal die Idee, den Zugang zur Unterkirche zu schließen. Soll es jetzt doch einen Zugang geben?

Przytarski: Der sollte nie geschlossen werden. Wir haben ihn nur aus dem Kirchenraum selbst entfernt und kommen künftig von der Vorhalle aus durch eine Freitreppe runter in die Unterkirche.

DOMRADIO.DE: Es soll in der Unterkirche ein Ganzkörper-Taufbecken geben. Wie kann man sich das vorstellen?

Przytarski: Wir haben lange hin und her überlegt. Jetzt haben wir ein Taufbecken entwickelt, dass einen Kreuz-Grundriss hat. Es gibt eine Art frühchristliches Taufbecken, was gut erhalten und ganz ähnlich gestaltet ist. Wichtig war uns auf der einen Seite ein Taufbecken, mit dem man die klassische Taufe, so wie sie die meisten von uns erlebt haben, möglich macht. Zugleich sollte auch die Möglichkeit geschaffen werden, dass man sozusagen zur Ganzkörper-Taufe aus den ersten Jahrhunderten der Christenheit zurückkehren kann, wenn man das möchte.

DOMRADIO.DE: Wie ist man auf diese Idee gekommen? Gibt es einen bestimmten Hintergrund dafür, dass dieses Taufbecken gut in diese Kirche reinpasst?

Przytarski: Zum einen ist dieses symbolische Übergießen nur der letzte kleine übriggebliebene Rest der Taufe. In den ersten Jahrhunderten sind die Leute tatsächlich in Flüsse oder Brunnen hinabgestiegen und haben sich dort taufen lassen. Wir wollten zumindest daran erinnern.

Ich glaube aber eigentlich nicht, dass dies nun wirklich häufiger passiert. Aber wir wollten durch dieses Taufbecken zeigen, dass man sozusagen wie neugeboren aus dieser Taufe herausgeht.

DOMRADIO.DE: Gibt es so etwas in einer anderen deutschen Kathedrale?

Przytarski: Ich wüsste nicht, dass es dies in einer anderen deutschen Kathedrale gibt. Aber in Rom gibt es ein solches Taufbecken in der Lateran-Basilika, der Bischofskirche des Papstes.

DOMRADIO.DE: Für den Bau des Altars können Gläubige des Bistums Steine beisteuern. Was hat es damit auf sich?

Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Detlef Bluhm (Erzbistum Berlin)
Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Detlef Bluhm ( Erzbistum Berlin )

Przytarski: Zuerst sollte ein Marmorstein aus Carrara genutzt werden. Dann wollten wir aber doch lieber irgendetwas, was Bezug zu der Region hat, in der die Kathedrale steht und hatten an einen großen Findling gedacht.

Schließlich hatten wir aber die Idee, die Gläubigen im Erzbistum darum zu bitten, sozusagen selbst an diesem Altar mitzubauen, indem sie Steine spenden. Da haben sich jetzt schon ganz viele Leute gemeldet, die uns schon Steine geschickt oder gegeben haben.

DOMRADIO.DE: Dann wird der Altar am Ende riesengroß?

Przytarski: (lacht) Das würde ich nicht sagen, keine Sorge. Deswegen hat man auch die Größe der Steine ein bisschen eingeschränkt. Der Ambo soll auch aus dem selben Material gemacht werden. Altar und Ambo gehören ja innerlich zusammen.

Ich glaube eigentlich nicht, dass es so viele Steine werden, dass wir die gar nicht verwenden können. Aber es war schon für manche ein Bedürfnis, irgendwo in dieser Kathedrale selbst mit einem Stein präsent zu sein.

DOMRADIO.DE: Inzwischen liegt auch die Genehmigung zum teilweisen Abriss und Neubau des angrenzenden Bernhard-Lichtenberg-Hauses vor. Was soll damit passieren?

Przytarski: Wir möchten nicht nur die Kathedrale betrachten, sondern auf diesem ganzen Gelände soll eine Art katholisches Forum entstehen. St. Hedwig-Mitte nennen wir es. Dort sollen auch die anderen Grund-Vorzüge der Kirche neben der Liturgie in der Kathedrale erkennbar werden. Diakonie sowie Material für die Glaubensverkündigung soll alles eng verbunden mit der Kathedrale seinen Ort haben. Man soll es als Einheit erleben.

Dieses Lichtenberg-Haus besteht ja aus zwei Teilen, wie einem Altbau aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Der Teil bleibt bestehen und wird nur innen ausgebaut. Es gibt zudem einen neuen Teil aus den 1970er Jahren. Den müssen wir abreißen und durch einen Neubau ersetzen.

DOMRADIO.DE: Und da soll noch irgendwo ein Café hin?

Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Detlef Bluhm (Erzbistum Berlin)
Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale / © Detlef Bluhm ( Erzbistum Berlin )

Przytarski: Genau. Unten in den Neubau soll tatsächlich ein Café hinein. Wir wünschen uns eine Art Inklusions-Café, also ein Café, wo Menschen mit irgendwelchen Einschränkungen arbeiten können. Da sind wir momentan noch ein bisschen auf der Suche. Da werden wir jetzt auch von einem Menschen unterstützt, der sich mit solchen Dingen auskennt.

Das soll ein Ort sein, wo man gerne hingeht und sich hinsetzen kann. Wir machen zwischen den Häusern und der Kathedrale auch diesen kleinen Platz neu. Der ist im Moment eine zugige Ecke. Das wird hoffentlich sehr viel schöner, sodass sich das Café dann auch in den warmen Monaten auf dem Platz ausbreiten kann.

Also, wir wollen schon die ganze Zone um die Kathedrale herum ein bisschen schöner und freundlicher machen und die Arme in Richtung Stadtgesellschaft ausbreiten

DOMRADIO.DE: Wie ist denn die Prognose? Wann kann in der Kathedrale der erste Gottesdienst nach dem Umbau gefeiert werden?

Przytarski: Wir versuchen, wenn es irgendwie möglich ist, am 1. November 2023 die Altar-Weihe zu vollziehen. Das wäre nämlich genau der 250. Weihe-Tag, der St. Hedwigs-Kathedrale.

Klar ist, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz fertig sein werden. Auch die große Orgel muss dann erst wieder eingebaut werden. Wir rechnen damit, dass wir 2024 fertig sein werden. Prognosen sind immer schwierig. Ich rechne mit Mitte des Jahres.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Stationen in der Geschichte der Sankt-Hedwigs-Kathedrale

1747: Baubeginn auf Initiative unter anderen von Friedrich dem Großen als Rundbau mit Kuppel nach dem Vorbild des Pantheons in Rom. Mit Unterbrechungen entsteht das erste katholische Gotteshaus Berlins nach der Reformation. Ein Anlass ist die Zuwanderung von Katholiken aus Schlesien.

1. November 1773: Weihe der Kirche durch den Fürstbischof des Ermlands, Ignacy Krasicki. Benannt ist sie nach der heiligen Hedwig von Andechs (1174-1243), Herzogin von Schlesien.

Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin / © frantic00 (shutterstock)
Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin / © frantic00 ( shutterstock )
Quelle:
DR