Benediktinerabt kritisiert Umgang mit Christen in Israel

"Komplette Enttabuisierung des Christenhasses"

Zuletzt sorgte ein brutaler Angriff auf eine Nonne in Jerusalem für Entsetzen. Der Benediktinerabt Nikodemus Schnabel fürchtet eine Eskalation antichristlicher Gewalt durch radikale Juden. Die Regierung sei in der Pflicht.

Ordensfrauen in Jerusalem / © Andrea Krogmann (KNA)
Ordensfrauen in Jerusalem / © Andrea Krogmann ( KNA )

Der Abt der Jerusalemer Benediktiner-Abtei Dormitio, Nikodemus Schnabel, warnt vor einem eskalierenden Christenhass radikaler Juden in Israel. Die Gründe dafür sieht er auch bei der rechtsgerichteten israelischen Regierung. "Wir sehen eine komplette Enttabuisierung dieses Christenhasses", sagte Schnabel im Deutschlandfunk.

Nach Vorfällen wie zuletzt dem brutalen Angriff auf eine französische Nonne in Jerusalem folge vonseiten der Regierung keine empörte Reaktion. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe noch nie eine Solidaritätsadresse für christliche Opfer von Übergriffen abgegeben.

Vielmehr sitze mit dem Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, sogar ein notorischer Christenhasser selbst in der Regierung, so der Benediktiner. Währenddessen forderten Abgeordnete im israelischen Parlament, der Knesset, dass Israel von Kreuzen und anderen nichtjüdischen Symbolen "gereinigt" werden müsse.

"Sobald ich als Mönch sichtbar auf die Straße gehe in Jerusalem, kann ich zählen, wie oft ich angepöbelt werde", berichtete Schnabel über seine Erfahrungen. Früher seien solche Übergriffe eher versteckt und im Dunkeln geschehen. "Jetzt werde ich am hellichten Tag angespuckt."

Appell an Bundesregierung

Jüngst hatte das Video von dem Angriff auf die Nonne auf offener Straße für Entsetzen gesorgt. Darauf ist zu sehen, wie ein Mann die Frau von hinten zu Boden stößt und danach auf sie eintritt. "Das Video ist schockierend", sagte Schnabel. Die Brutalität der Attacke zeige eine neue Eskalationsstufe, so der Abt, der sich auch klarere Worte von der deutschen Bundesregierung zur zunehmenden Gewalt gegen Christen in Israel wünscht.

Schnabel betonte aber auch, dass viele jüdische Israelis die Gewalt gegen Minderheiten verabscheuten und den multireligiösen Charakter des Landes bewahren wollten. So gebe es etwa zwei jüdische Initiativen, die die Übergriffe gegen Christen dokumentierten.

Übergriffe gegen Christen "fast normales Phänomen" in Israel

Zwar habe es auch in der Vergangenheit immer wieder Aggressionen gegen Christen von jüdischer Seite gegeben, sagte der künftige Kardinal und Lateinische Patriarch in Jerusalem Pierbattista Pizzaballa im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Neu ist die Häufigkeit, mit der sie geschehen – und die Tatsache, dass sie fast schon ein 'normales' Phänomen sind." Neben Beleidigungen würden Christen vor allem bespuckt – auch er selbst sei bereits angespuckt worden, gab der Patriarch an. Die Gründe dafür sieht der aus Italien stammende Erzbischof hauptsächlich in der Erziehung.

Vatikan-Flagge über Jerusalem zum Papstbesuch 2009 / © Harald Oppitz (KNA)
Vatikan-Flagge über Jerusalem zum Papstbesuch 2009 / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA