Religion in Game of Thrones

"Beginnt wie Moses und endet wie Pharao"

Es ist vielleicht die erfolgreichste Serie aller Zeiten: Game of Thrones. In der Fantasy Serie geht es um Macht, Gewalt, Sex, Drachen und Religion. Der Theologe Thorsten Dietz hat ein Buch über die religiösen Hintergründe der Serie geschrieben.

Figuren der US-Serie "Game of Thrones" / © Moritz Frankenberg (dpa)
Figuren der US-Serie "Game of Thrones" / © Moritz Frankenberg ( dpa )

DOMRADIO.DE: Herr Dietz, als Naturreligion, Staatsreligion oder auch als fundamentalistische Sekte tritt Religion in Game of Thrones ganz unterschiedlich auf. Vielleicht skizzieren Sie mal ganz kurz die Hauptrichtungen?

Thorsten Dietz (Theologe und Buchautor): Es gibt im Norden dieses fiktiven Kontinents die alten Götter und das ist eine Naturreligionen, die mit Flüssen, Bäumen und Bergen verbunden ist. Dann gibt es die neuen Götter, das ist eine Hochreligion, ein bisschen Maß genommen am katholischen Mittelalter, ein Gott in sieben Gestalten, eng verbunden mit den Macht- und Ordnungsvorstellungen der Welt.

Und dann gibt's aber auch neue religiöse Aufbrüche. Der Herr des Lichts ist eine dualistische Religion. Da geht es um den Kampf von Licht und Finsternis, von Wahrheit und Lüge. Da ist alles schwarz-weiß. Das ist ein großer fundamentalistischer Aufbruch.

DOMRADIO.DE: Welche Funktionen haben die Religionen jeweils?

Dietz: Ganz unterschiedlich: Bei den alten Göttern, da geht es um die Einbettung im Kosmos in die Natur. Da geht es um Verbundenheit der Menschen miteinander, aber auch der Menschen mit der Natur und dem Kosmos und seinem göttlichen Grund. Bei den neuen Göttern, da geht es um Orientierung. Da geht es um die Verteilung von Macht und Ohnmacht, auch um Geschlechterrollen, grundlegende Ordnungsvorstellungen.

Beim Herrn des Lichts, würde ich sagen, geht es vor allem um Gewissheit. Auf welcher Seite stehe ich? Was ist das Böse? Wie kämpfe ich für das Gute? Und wie werde ich erlöst aus einer bösen, falschen, verkehrten Welt?

DOMRADIO.DE: George R. R. Martin, das ist der Autor der Romanvorlage hinter der Serie. Das ist ein katholisch erzogener Atheist. Wie spiegelt sich seine Religionskritik in der Serie?

Dietz: Er selbst hat das katholische Christentum erlebt, am Ende auch erlitten und sich davon befreit. Man sieht vor allem in seiner Schilderung der neuen Götter auch ihrer Reformbewegung. Die empfand er als freiheitsfeindlich und autoritär und im Grunde ist Game of Thrones überwiegend religionskritisch. Die meisten Helden beten nicht. Sie verabschieden sich von einer Religion, die alles erklären will, aber oft nur autoritär behauptet und nicht mehr einleuchtend ist.

DOMRADIO.DE: Es gibt zwei Erlösergestalten. Gucken wir auf die Erste: Daenerys Targaryen, die Beschützerin des Reiches und Sprengerin der Ketten, die ist lange Zeit eine Hoffnungsträgerin. Tritt als Befreierin der Unterdrückten an. Warum scheitert sie damit am Ende?

Dietz: Ja, sie beginnt wie Moses und endet wie Pharao. Sie möchte die Sprengerin der Ketten sein, die Befreierin der Armen. Ihre Ziele sind gut, es geht hier um Gerechtigkeit und dann aber ist sie irgendwann bereit, über Leichen zu gehen, selbst Unrecht zu begehen, um dem Recht zum Sieg zu verhelfen.

Da hat die Weltgeschichte gezeigt, das ist ein ganz schlechter Plan, wenn man versucht, das Böse mit Bösem zu besiegen. Das gelingt bei ihr leider auch nicht.

DOMRADIO.DE: Dann ist da natürlich Jon Snow. Sie sagen: Eine tief von Jesus Christus beeinflusste Figur. Woran machen Sie das fest?

Dietz: Er ist immer an der Seite der Armen. Er unterstützt immer die Außenseiter, er rettet die Schwachen. Ich sage mal so: Jesu Schicksal mit Tod und Auferweckung spiegelt sich irgendwie wider, auch bei Jon Snow. Er ist ein klassischer Erlöser lange Zeit und am Ende... ich möchte jetzt nicht zu viel vorwegnehmen, für die die Serie noch nicht gesehen haben. Es soll ja spannend bleiben.

DOMRADIO.DE: Gibts denn am Ende so etwas wie ein religiöses Fazit, das sich aus Game of Thrones ziehen lässt?

Dietz: Ja, das denke ich schon. Religionen sind zutiefst ambivalent. Sie sind mit der Menschheitsgeschichte ganz eng verwoben. Sie können furchtbar entgleisen, sie können schrecklich werden. Religionen können grausam werden, aber sie müssen es nicht.

Auch tiefreligiöse Menschen wie die Bruderschaft ohne Banner, das sind Menschen, die sich einsetzen wollen für die Schwachen, für die Ausgegrenzten, die den Tod und das Böse bekämpfen und das aus religiöser Überzeugung tun. Es zeigt sich also, Religion kann menschlich sein, sie kann aber auch zum Unmenschlichen führen. Diese Ambivalenz kommt in der Serie einfach sehr, sehr schön zur Darstellung.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Kloster Eberbach / © Wolfgang Radtke (KNA)
Kloster Eberbach / © Wolfgang Radtke ( KNA )
Quelle:
DR