Bedford-Strohm über die Beziehung der Kirche zur Politik

"Raus aus dem Schneckenhaus"

Die Kirchen können nach den Worten des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm nicht die besseren Politiker sein. Aber sie kann Orientierung bieten, die oft dankbar angenommen werde.

Heinrich Bedford-Strohm / © Arno Burgi (KNA)
Heinrich Bedford-Strohm / © Arno Burgi ( KNA )

"Wir können auch nicht behaupten, dass wir immer die bessere Lösung für alles haben", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Interview mit der Münchner Straßenzeitung "BISS" (Novemberausgabe). Dennoch gelte es, als Kirche dafür zu werben, dass Politiker ihrer Verantwortung für die Schwächsten gerecht werden, betonte Bedford-Strohm. Wer wirklich Veränderungen wolle, müsse die Not an den Wurzeln packen. "Da kann man die Politik nicht raushalten."

Deshalb rede die evangelische Kirche mit Politikern, sie nehme Stellung zu Fragen, die ethische Bedeutung hätten. Allerdings sollten sich Amtsträger der Kirche nicht parteipolitisch betätigen. "Wir müssen Antworten geben und dürfen uns nicht in ein bequemes Schneckenhaus zurückziehen."

Das Jahr der Barmherzigkeit geht zu Ende

"Sehr viel" lasse sich von dem am Ende des Monats endende Jahr der Barmherzigkeit in das Lutherjahr hinüberretten. Es gebe zwar verschiedene konfessionelle Traditionen, sie bezögen sich aber alle auf Jesus Christus. "Und zum Kern seiner Botschaft gehört Barmherzigkeit", so der Landesbischof. Auch Luther sei es genau darum gegangen. Denn Heil könne der Mensch nur durch Gott selbst erfahren, durch seine Gnade und Barmherzigkeit.

Papst Franziskus vereine Karriere und Barmherzigkeit

Auf die Frage, ob Barmherzigkeit nicht hinderlich sei, wenn man ganz nach oben kommen wolle, entgegnete Bedford-Strohm, dass er seine Laufbahn nicht als Karriere sehe. "Ich habe immer das gemacht, woran ich Freude hatte und wo ich glaubte, mich einbringen zu können." Im Übrigen könne man durchaus verantwortungsvolle Positionen bekleiden und Barmherzigkeit ausstrahlen. Papst Franziskus sei dafür wohl das beste Beispiel. Er habe quasi "Karriere gemacht", gleichzeitig sei er im Moment in der Weltöffentlichkeit wahrscheinlich derjenige, der am meisten für Barmherzigkeit stehe.

Quelle:
KNA