Eine geplante Aufarbeitungsstudie der katholischen Jugendverbände zu Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt soll im Sommer starten. Das teilte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) am Sonntag nach seiner Hauptversammlung im nordrhein-westfälischen Altenberg mit.
"Wir haben uns nach der Ausschreibung für das Forschungsprojekt und dem Sichten der eingegangenen Unterlagen verschiedener Forscher*innen für ein Forschungskonsortium entschieden. In den nächsten Wochen werden die dazu nötigen Absprachen und Vereinbarungen getroffen, so dass es im Sommer endlich los gehen kann", kündigte der BDKJ-Bundesvorsitzende Volker Andres an.
"Wir wollen mit der Studie unserer Verantwortung gerecht werden", sagte er. Dazu gehöre, bereits vorhandene Konzepte zur Vorbeugung von Missbrauch immer wieder zu evaluieren und zu verbessern. Ziel sei, sichere Räume für Kinder und Jugendliche zu schaffen und zu erhalten.
Ruf nach Schutzstandards
Auch mit der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt befasste sich der BDKJ auf seiner Hauptversammlung. Der Verband forderte verbindliche Schutzstandards. Nötig seien zudem mehr Transparenz bei Algorithmen sowie wirksame Maßnahmen gegen digitale Gewalt, erklärte der Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden.
"Soziale Netzwerke sind wichtige Lebensräume junger Menschen. Gleichzeitig sind es Räume, in denen Hass, Desinformation und Manipulation besonders jene treffen, die ohnehin Diskriminierung erfahren", erklärte Henner Gädtke, ein weiterer BDKJ-Bundesvorsitzender. Es brauche klare und verbindliche Regeln, die die Betreiber von Plattformen in die Verantwortung nähmen und die Rechte junger Menschen stärkten.
Der Verband mit nach eigenen Angaben rund 660.000 Mitgliedern forderte eine umfassende Medienbildung in der Schule und in der Jugendarbeit. «Wer digitale Räume gestaltet, gestaltet auch gesellschaftliche Machtverhältnisse. Deshalb ist es entscheidend, dass gerade die Perspektiven junger Menschen - insbesondere von marginalisierten Gruppen - gehört und einbezogen werden", erklärte Lisa Quarch von der Geistlichen Leitung des BDKJ-Bundesverbandes. "Nur so entstehen Plattformen, die wirklich gerecht und sicher sind."