Batlogg sieht Zeit der Männervorherrschaft als beendet an

"Nicht rückgängig zu machen"

Der Jesuit Andreas Batlogg sieht einen Wandel in der Kirche zu mehr Mitbestimmungsrecht von Frauen. Die Zeit, in der Männer beziehungsweise Priester oder Bischöfe alles unter sich ausmachten, sei vorbei.

Andreas R. Batlogg (privat)
Andreas R. Batlogg / ( privat )

Das sagte Batlogg am Dienstag im Deutschlandfunk. Der Ordensmann äußerte sich zum 60. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962).

"Eine Art von Prophetin"

Diese Entwicklung zeige auch der Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland, bei dem die Expertise von Laien einfließe und bei dem sich Frauen bemerkbar machten. Die Benediktinerin Philippa Rath etwa, die sich als Teilnehmerin für Geschlechtergerechtigkeit einsetzt, sei für ihn "eine Art von Prophetin", so Batlogg.

Zwar gebe es von außerhalb "immer wieder Querschüsse" gegen den Synodalen Weg, dabei handele es sich jedoch um "Chimären", die den Dialog in Misskredit bringen sollten. "Dieser Prozess ist nicht rückgängig zu machen."

Kommt ein Drittes Vatikanisches Konzil?

Große Hoffnung setzt Batlogg eigenen Angaben zufolge auch in die von Papst Franziskus ausgerufene Weltsynode der Bischöfe. Der Papst setze damit "unübersehbar auf Synodalität". Dabei müsse auch die Frage gestellt werden, ob Frauen etwa mit einem Stimmrecht beteiligt sein könnten. Wichtig sei es generell, keine "Quotenpositionen" für Frauen zu schaffen; vielmehr müsse sich die Partizipation deutlich auch "in der Organisationsstruktur und in der Entscheidungskultur der Kirche abbilden", betonte Batlogg.

An ein mögliches, bald stattfindendes Dritte Vatikanische Konzil glaube er jedoch zunächst nicht, sagte Batlogg, der jüngst ein neues Überblickswerk über das Zweite Vatikanum veröffentlicht hat. "Ich denke, wir müssen noch die Texte ausschöpfen", sagte er mit Blick auf Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Kirchen und Frauenordination

Bis ins 20. Jahrhundert stimmten die Kirchen darin überein, dass das geistliche Amt gemäß der Bibel und der Tradition Männern vorbehalten ist. Die römisch-katholische Kirche sowie alle orthodoxen Kirchen halten bis heute daran fest. In den reformatorischen Kirchen wurde diese Sicht in den vergangenen Jahrzehnten revidiert. Vorläufer gab es bereits Mitte des 18. Jahrhunderts vereinzelt in der Herrnhuter Brüdergemeine, in methodistischen Kirchen sowie im 19. Jahrhundert in der Heilsarmee.

 V.l.: Kantorin KMD Marie-Luise Schneider, der katholische Dompropst Praelat Tobias Przytarski, die Pfarrerin der Kirche St. Petri - St. Marien, Corinna Zisselsberger / © Christian Ditsch (epd)
V.l.: Kantorin KMD Marie-Luise Schneider, der katholische Dompropst Praelat Tobias Przytarski, die Pfarrerin der Kirche St. Petri - St. Marien, Corinna Zisselsberger / © Christian Ditsch ( epd )
Quelle:
KNA