Autor Houellebecq stark von christlicher Theologie geprägt

Bibellektüre hat Spuren hinterlassen

"Die Idee eines Retters berührt mich sehr" - der französische Schriftsteller Michel Houellebecq macht keinen Hehl aus seinem christlichen Glauben. Er denke viel über die Apokalypse nach, sagte er. Sein neues Werk zeigt dies auch.

Der französische Star-Autor Michel Houellebecq  / © Boris Roessler (dpa)
Der französische Star-Autor Michel Houellebecq / © Boris Roessler ( dpa )

Die christliche Theologie hat den französischen Schriftsteller Michel Houellebecq (70) nach eigenen Worten stark geprägt. "Die Idee eines Retters berührt mich sehr. Es gibt Menschen, die ihr Leben damit verbringen, die Apokalypse zu interpretieren. Das ist bei mir nicht der Fall, aber ich denke viel über sie nach. Die viele Zeit, die ich damit verbracht habe, die Bibel zu lesen, hat Spuren hinterlassen", sagte der Bestseller-Autor ("Unterwerfung", "Elementarteilchen") im Interview der "Welt am Sonntag".

Theologische Gedanken im neuen Gedichtband

Auch in Houellebecqs neuem Gedichtband "Combat toujours perdant" ("Ewig auf verlorenem Feld"), der gerade erschienen ist, seien Passagen vorhanden, die in einem theologischen Zusammenhang stünden: "Meine Verse haben eine spirituelle Qualität. An einer Stelle ist auch die Rede vom 'sauveur impensable', einem Retter jenseits der Vorstellungskraft. Die christliche Theologie hat mich stark geprägt."

Angesprochen auf Teile seines Gedichtbandes, in denen von einem großen Krieg und Eindringlingen die Rede ist, und die Frage, wohin das führe, antwortete er: "Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kommt, ist ein christlicher. Es ist Christi Wiederkehr."

Theodizee

Theodizee heißt "Gerechtigkeit Gottes" oder "Rechtfertigung Gottes". Gemeint sind verschiedene Antwortversuche auf die Frage, wie das subjektive Leiden in der Welt vor dem Hintergrund zu erklären sei, dass ein (zumeist christlich aufgefasster) Gott einerseits allmächtig, andererseits gut sei. Konkret geht es um die Frage, warum ein Gott oder Christus das Leiden zulässt, wenn er doch die Omnipotenz ("Allmacht") und den Willen ("Güte") besitzen müsste, das Leiden zu verhindern.

Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer / © r.classen (shutterstock)
Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer / © r.classen ( shutterstock )
Quelle:
KNA