Nach einem Jahr an der Spitze der katholischen Kirche bleibt Leo XIV. seiner Ordenstradition treu. Dieser Auffassung ist der Leiter des Wiener Augustiner-Regionalvikariats, Dominic Sadrawetz. "Er ist Papst und bleibt doch Augustiner", sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress am Dienstag.
Der gebürtige Bayer kennt Leo XIV. seit Jahrzehnten, noch unter dessen bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, als er an der Spitze des weltweiten Augustinerordens stand.
Zuletzt trafen sie sich beim Jubiläum der Wiener Augustinerkirche Ende 2024, als Prevost bereits Kardinal war, sowie beim Generalkapitel im September 2025 in Rom. Für Sadrawetz ist dabei klar: Leo XIV. ist seinem Stil treu geblieben: "Er nimmt die Leute wahr, schaut immer, was um ihn herum geschieht, und vergisst niemanden."
Franziskus-Agenda zu Ende geführt
Durch Prevosts Wahl hätten die Augustiner Auftrieb erhalten, so Sadrawetz. Im deutschsprachigen Raum sei die Gemeinschaft klein und wenig bekannt gewesen. "Das hat sich mit der Papstwahl geändert, auch was das Interesse für unsere Spiritualität betrifft. Es gibt jetzt deutlich mehr Anfragen zum heiligen Augustinus als früher."
Zugleich ist Sadrawetz überzeugt, Leo XIV. sei nach seiner Afrikareise im Amt angekommen. Im ersten Jahr habe er die Agenda seines Vorgängers Franziskus abgeschlossen, nun trete er hervor und beziehe Stellung. Kirchenpolitisch sei sein Wahlspruch "In illo uno unum" ("In dem Einen sind wir eins") richtungsweisend. Er suche das Verbindende - im Dialog mit Traditionalisten, der Kirche in Deutschland und Kurienmitarbeitern. Leo strebe dabei keine Gleichförmigkeit an: "Verschiedenheit gilt es dabei auszuhalten".