Neues Buch von Altbischof Mussinghoff zu Juden und Christen

"Auf gemeinsamem Weg"

Die Beziehungen zwischen Christen und Juden sind ihm ein wichtiges Anliegen. Nun hat der Aachener Altbischof Heinrich Mussinghoff ein Buch zum Thema vorgelegt. Enthalten sind auch Betrachtungen zu Kunst und Kultur.

Kreuz und Kippa / © Harald Oppitz (KNA)
Kreuz und Kippa / © Harald Oppitz ( KNA )

Die - nicht immer spannungsfreien - Beziehungen zwischen Christentum und Judentum sind ihm ein wichtiges Anliegen: Ein neues Buch versammelt Vorträge, Reden und Betrachtungen des Aachener Altbischofs Heinrich Mussinghoff zu Judentum, interreligiösem Dialog, Kunst und Kultur.

Der Titel lautet: "Juden und Christen: Partner, Verbündete, Schwestern und Brüder auf gemeinsamem Weg". Die Beiträge möchten nach den Worten des Münsteraner Dialogverlags eine Anregung zu Begegnungen und interreligiösem Gespräch geben und zu einem "geschwisterlichen Zusammenleben in Frieden und Freiheit" ermutigen.

Israelkenner

Mussinghoff (80), der seit fünf Jahren im Ruhestand ist, kennt Israel durch zahlreiche Reisen. Nach seiner Bischofsweihe am 11. Februar 1995 galt sein erster Besuch der jüdischen Gemeinde in Aachen - als Zeichen der Verbundenheit und Versöhnung. Bei einem vielbeachteten Besuch in Polen bekannte Mussinghoff die Schuld der Kirche in der NS-Zeit und ein Versagen deutscher Bischöfe, die den "Angriffskrieg auf das katholische Land Polen" nicht laut verurteilt hätten.

Der Altbischof leitete von 2006 bis 2015 die Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz - auch Vorträge, die er in dieser Funktion gehalten hat, sind in dem Buch zu finden. Zudem geht es um die Erklärung "Nostra aetate", mit der die Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) den katholisch-jüdischen Dialog eröffnete. Hinzu kommen etwa Worte zum Gedenken an die antisemitischen Novemberpogrome von 1938 ("Wir dürfen nicht vergessen") und zur Eröffnung einer neuen Synagoge in Aachen.

Das Buch enthält darüber hinaus Einlassungen zum Schutz des Sonntags beziehungsweise zum jüdischen Ruhetag Schabbat, zum Thema Gerechtigkeit, zum lange Zeit schwierigen und vielschichtigen Verhältnis der katholischen Kirche zum Staat Israel, zur Schoah oder zur ersten gemeinsamen Reise von katholischen Bischöfen und Rabbinern nach Israel.

Auch Texte von Bischof Hemmerle im Buch

Es finden sich nicht nur Texte von Mussinghoff, sondern auch von seinem Vorgänger Klaus Hemmerle (1929-1994). Beide Bischöfe belastet ein neues Gutachten über den Umgang mit Missbrauchsfällen im Bistum Aachen. Demnach waren sie - und andere hochrangige Geistliche - mehr am Schutz der Täter interessiert als an der Fürsorge für die Opfer. Mussinghoff spricht von "pauschalen Vorwürfen" gegen seine Person und weist sie zurück.

Zu "Nostra aetate" erklärt der Geistliche, es sei "das kürzeste der Konzilsdokumente, aber das am heftigsten umstrittene und zugleich das wirkmächtigste". Er verweist auf Bemühungen zum christlich-jüdischen Dialog seit Ende des Zweiten Weltkriegs und insbesondere auf das Begegnungstreffen 2006, bei dem ein "bedeutender Schritt im Dialog zwischen dem Vatikan und Rabbinern in Deutschland" geschehen sei.

Mussinghoff zitiert ausführlich die Botschaften des Vorsitzenden der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, Kardinal Walter Kasper, und des Landesrabbiners Henry G. Brandt.

Er erinnert auch an den 26. September 2006, an dem die Deutsche Bischofskonferenz die Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum ins Leben rief. Diese sei zu einem "wesentlichen Arbeitsinstrument" für die Konferenz geworden. Mussinghoff bezeichnet das Wirken darin als "sehr anregende, aktive und fruchtbare" Arbeit.

Freundschaft mit Juden

An anderer Stelle würdigt er das Gespräch und die Freundschaft mit Juden als "große menschliche und spirituelle Bereicherung".

In dem Teil des Buches, der Kunst und Kultur gewidmet ist, betrachtet Mussinghoff den Mosaikteppich in der Basilika von Tabgha und erläutert zum Beispiel auch ein Lied aus dem Brauchtum des Münsterländischen - er selbst stammt aus Osterwick. Es habe sich ihm besonders eingeprägt, weil es alte Verbindungen zum jüdischen Pessachfest zu haben scheine, schreibt er.

Vor allem aber geht es um die bunten Fenster mit dem Jakobssegen von Marc Chagall in der Synagoge des Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem, die Mussinghoff interpretiert. Die prächtigen Fenster sind in großflächigen Abbildungen abgedruckt - und zeigen so auch dem Leser ihre leuchtenden Farben.

Bischof em. Heinrich Mussinghoff / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof em. Heinrich Mussinghoff / © Harald Oppitz ( KNA )
Autor/in:
Leticia Witte
Quelle:
KNA