Kardinal Woelki begeht Corona-Advent 2020

"Auf das Wesentliche konzentrieren"

Advent in Corona-Zeiten ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance, die Vorweihnachtszeit mal ohne Trubel zu erleben. Kölns Erzbischof Kardinal Woelki verrät, wie er persönlich an den Feiertagen mit den Corona-Einschränkungen umgeht.

Kardinal Woelki (DR)
Kardinal Woelki / ( DR )

DOMRADIO.DE: Der Advent 2020 ist ein ungewöhnlicher, wie gehen Sie und auch das Erzbistum Köln damit um?

Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof von Köln): Das ist natürlich eine Herausforderung für uns alle und natürlich auch für die Familien. Wir haben jetzt in unserer Diözese dafür Sorge getragen, dass mehr Weihnachtsgottesdienste angeboten werden. Wir möchten bei den Menschen sein, und wir wollen auch dafür Sorge tragen, dass alle, die zum Gottesdienst kommen wollen - gerade auch an Weihnachten - die Möglichkeit haben, auch den Gottesdienst zu besuchen. Ich hoffe, dass viele davon Gebrauch machen, und ich freue mich darauf, dass viele kommen und auch an den Krippenfeiern teilnehmen werden.

DOMRADIO.DE: Was raten Sie da jedem Einzelnen?

Woelki: Ich denke, dass wir jetzt natürlich vernünftig sein müssen und jetzt nicht einfach Weihnachten feiern können, wie wir das wahrscheinlich in den vergangenen Jahren getan haben. Für mich ändert sich auf der einen Seite erst mal nichts, ich werde die Gottesdienste hier im Dom natürlich feiern, wahrscheinlich mit weniger Menschen als in den vergangenen Jahren. Und dann werde ich versuchen, meine Familie unter den gegenwärtigen Bedingungen zu treffen. Wir haben, Gott sei Dank, drei Weihnachtsfeiertage in diesem Jahr, sodass man sich das ein wenig aufteilen kann.

Ich denke jedenfalls, dass wir alle sehr vernünftig sein müssen und dass Weihnachten nicht dazu führen darf, dass wir hinterher höhere Corona-Fallzahlen haben, sondern dass wir wirklich die Hygienebestimmungen einhalten müssen, dass wir darauf achten müssen, dass wir gut aufeinander aufpassen. Gott wird Mensch, weil er ein Herz für uns Menschen hat. Gottes Liebe hat auch immer etwas mit der Liebe zum Nächsten zu tun. Ich glaube, dass das in diesem Jahr ein Zeichen sein kann, wenn wir uns unter diesen Bedingungen treffen und begegnen.

DOMRADIO.DE: Trotzdem gehen viele mit Angst in diese Zeit.

Woelki: Das ist sicherlich feststellbar, dass einige sich Sorgen machen, Ängste haben. Ich glaube, dass gerade hier unser Glaube eine Antwort gibt, dass wir keine Angst haben müssen, dass wir in Gottes Hand sind. Dass wir von ihm erwartet und erhalten sind. Ich finde, dass in den vergangenen Jahren oft beklagt wurde, dass der Advent und Weihnachten so eine unruhige Zeit gewesen sind und dass sie eben auch von Kaufrausch und Konsum bestimmt ist.

In diesem Jahr haben wir vielleicht wirklich die Möglichkeit, etwas zur Ruhe zu kommen und die Stille des Advents vielleicht auch in unser Herz hinein zu holen, um uns selber mit unserem Leben wieder neu auszurichten und zu orientieren. Ich finde, dass in diesem Jahr der Advent eine gute Möglichkeit dafür ist, vielleicht weil er uns hilft, uns wegen der Coronabedingungen auch mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Das Interview führte Tobias Al Shomer.


Quelle:
DR