Deutscher Musikrat appelliert in Coronakrise an Kirchen

Auch bei Ausfall entlohnen

Der Deutsche Musikrat hat an die Kirchen appelliert, soziale Verantwortung für die Kirchenmusiker zu übernehmen. Das bedeutet konkret, vereinbarte Honorare für Veranstaltungen auch dann auszuzahlen, wenn diese abgesagt werden.

Notenblatt eines Chorsängers / © Jörg Loeffke (KNA)
Notenblatt eines Chorsängers / © Jörg Loeffke ( KNA )

Das erklärte der DMR-Präsident Martin Maria Krüger in einem veröffentlichten offenen Brief an die Kirchen.

Krüger adressierte den Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und an den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland,(EKD), Heinrich Bedford-Strohm.

Musikrat für befristetes Grundeinkommen

Für die deutsche Musikszene sind die Verbreitung des Coronavirus und die dagegen ergriffenen Maßnahmen in vielen Fällen offenbar existenzgefährdend. "Die Lage der freiberuflichen Musikerinnen und Musiker ist dramatisch", erklärte der Kuratoriumsvorsitzende der Deutschen Orchester-Stiftung, Gerald Mertens, in Berlin.

Fast alle Orchester, Chöre, Opern- und Konzerthäuser sowie Musikfestivals und -veranstalter hätten den Betrieb eingestellt. Die Deutsche Orchester-Stiftung rief deshalb zu Spenden für notleidende freischaffende Berufsmusiker auf. Der Deutsche Musikrat, Dachverband der Musikbranche, forderte sogar ein auf sechs Monate befristetes Grundeinkommen in Höhe von 1.000 Euro "für alle freiberuflichen Kreativschaffenden".

"Sie verlieren für die kommenden Monate ihre Lebensgrundlage. Sie haben keine Lohnfortzahlung; keine Auftritte, kein Unterrichten, kein Geld", sagte Mertens von der Orchester-Stiftung. "Nur wenige haben Rücklagen oder eine familiäre Absicherung. Viele stehen vor dem sozialen Aus."

Nothilfefonds gefordert

Bis ein vom Deutschen Kulturrat geforderter "Nothilfefonds" für Freischaffende durch Bund und Länder eingerichtet und handlungsfähig sei, würden noch Wochen ins Land gehen. "Für viele könnte diese Hilfe zu spät kommen", sagte Mertens. Daher sei es nötig, mit Spenden schon jetzt Solidarität mit freiberuflichen Musikern zu zeigen.

Der Generalsekretär des Deutschen Musikrates, Christian Höppner, erklärte, die Auswirkungen der Corona-Krise seien dramatisch für das gesamte Musikleben. Dazu gehörten neben den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen der Musikwirtschaft im Produktions- und Veranstaltungsbereich vor allem die freiberuflichen Musikerinnen und Musiker.

Er begrüße deshalb die Erklärung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vom 13. März, die Kultur- und Kreativwirtschaft angesichts der Corona-Epidemie massiv zu unterstützen.

Höppner betonte, "die Einkommen der freiberuflichen Musikerinnen und Musiker, sei es im Veranstaltungsbereich wie in den musikpädagogischen Berufsfeldern, brechen mit dem bundesweiten Shutdown sofort weg, während die Kosten weiterlaufen".

Bei einem laut Künstlersozialkasse durchschnittlichen Bruttojahreseinkommen freiberuflicher Musiker von 13.000 Euro sei kein Spielraum für Rücklagen gegeben. Entscheidend sei jetzt, dass "rasch und ohne bürokratischen Aufwand geholfen werden kann". Der Deutsche Musikrat vertritt mehr als 100 Verbände des Musiklebens, darunter Instrumentenbauer, Kirchenmusiker, Clubs und Verlage.

Quelle:
KNA , epd