Erst jetzt, da der Kredit verspielt und das Vertrauen weg ist, geht vielen auf, worauf sie sich all die Jahre verlassen haben. Über das Vertrauen wurde kaum gesprochen, es war einfach da. Es konnte vorausgesetzt werden im alltäglichen Handeln. Nun ist es verloren. Die dadurch entstandene Krise birgt auch eine Chance: Sie zeigt, wovon wir gelebt haben und leben. Wie ist das Verlorene wiederzugewinnen?
Beim Vertrauen geht es nicht um eine fromme Anmutung neben den handfesten geschäftlichen Fakten, sondern um das Vorzeichen vor dem Ganzen, um die tragende Lebens- und Handlungsperspektive. Das Vertrauen hat man nicht im Griff. Man kann es nicht abschließen wie ein Geschäft. Wie kommt man dazu? Wir schenken einander Vertrauen.
Gibt es Größeres, als Vertrauen zu empfangen? Es ist fast paradox:
Zugleich gilt, Vertrauen wieder aufzubauen, es neu zu erwerben. Das ist harte Arbeit, zumal, wenn man in Misskredit geraten ist. Wer ist vertrauenswürdig? Jemand, der kompetent ist und vor allem verlässlich, mit dem man gute Erfahrungen gemacht hat, der Menschen nicht ausnutzt, sondern dem an der Sache und an den Menschen gelegen ist.
Vertrauen ist das kostbarste Kapital. Damit steht und fällt das Zusammenleben der Menschen. Psychologen sprechen vom Urvertrauen, ohne das kein Mensch gedeihen kann. Ob solches Urvertrauen möglich ist ohne ein Fundament im Ursprung unseres Daseins? Das Credo der Christen bekennt Gott als den Grund des Vertrauens. Er hat uns mit Christus sein Vertrauen geschenkt. Darum glauben, darum vertrauen wir ihm.
Altbischof Franz Kamphaus zur Finanzkrise
Credo und Kredit
Was hat das Credo mit dem Kredit zu tun? Mehr als mancher denkt. Beide entstammen demselben Wort. Das lateinische credere bedeutet glauben, vertrauen. Kredit meint "das Vertrauen in die Fähigkeit und Bereitschaft einer Person oder Unternehmung, Verbindlichkeiten, ordnungs- und fristgemäß zu begleichen..." (Duden).
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