Brauchtumsforscher beleuchtet "Brich-einen-Aberglauben-Tag"

Alles nur Quatsch?

Ob es die schwarze Katze ist, der zerbrochene Spiegel oder Freitag der 13. Dies alles hat mit Aberglauben zu tun. Nun ist an diesem Montag der "Brich-einen-Aberglauben-Tag". Gelegenheit, da einmal auf die Bedeutung des Aberglaubens zu schauen.

Ein schwarze Katze ist für manche ein Symbol für Aberglaube / © McCann Michelle (shutterstock)
Ein schwarze Katze ist für manche ein Symbol für Aberglaube / © McCann Michelle ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Woher kommt der Begriff Aberglaube überhaupt?

Prof. Manfred Becker-Huberti (Theologe, Autor und Brauchtumsforscher): Aberglaube setzt voraus, dass man selber einen richtigen Glauben hat, nämlich den Glauben an einen Gott. Abergläubige Menschen sind hingegen die, die anders, falsch herum glauben, nämlich nicht an einen Gott. Diese Menschen meinen, auf diese Art und Weise, durch Magie, durch bestimmte Regeln, dadurch, dass man etwas in einer besonderen Form tut oder indem man in Zusammenhänge glaubt einblicken zu können und in die Zukunft zu sehen, die Welt beherrschen zu können.

Es gibt unzählige Methoden und Mittel. Das bezeichnet ein Verhalten aus einer Zeit, in der Vernunft noch nichts galt. Mit der Aufklärung, also circa ab dem Jahr 1700, beginnt sich der Verstand bei den Menschen zu regen und die Regel "sapere aude", also "hab Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen", versucht den Aberglauben zu verdrängen.

Das aber scheint, so wissen wir heute, eher ein Versuch zu sein, der nicht gelingt. Denn der Aberglaube ist ein Teil der menschlichen Natur. Immer dann, wenn die Vernunft nicht reicht oder man sie aus den unterschiedlichsten Gründen nicht benutzen kann, greift man doch zu bestimmten Mitteln.

Da sitzt beispielsweise jemand im Flugzeug, das gerade startet und man hat ein mulmiges Gefühl. Man erinnert sich daran, dass man nach links aus dem Fenster blicken muss, um mal zu schauen, ob da nicht Schäfchen weiden. Denn "Schäfchen zur Linken sollen Freude dir winken". Also, man besänftigt sich auf diese Art und Weise.

So gibt es zahllose Mittel und Methoden, mit denen wir glauben, uns selber übers Ohr hauen zu können.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist ja aber auch unser Glaube an Gott nicht bis ins Allerletzte mit der Vernunft erfassbar. Wo ist denn da die Grenze? Wo hört der Glaube auf und wo beginnt der Aberglaube?

Becker-Huberti: Das ist sehr schwer und von Zeit zu Zeit unterschiedlich. Es gibt Dinge, die heute als Aberglaube gelten, die früher als sicherer Bestandteil des Glaubens galten. Man muss da mit dem, was man benennt, sehr vorsichtig sein. Ich glaube, dass Aberglaube und Glaube Geschwister sind oder die jeweils unterschiedlichen Seiten einer Medaille, die aber - und das sprengt dann das Bild - auch verrutschen können. Es gibt also durchaus Methoden, bei denen man meint, man könne Einfluss nehmen.

Ich erkläre mal so ein Beispiel: Wenn man Taufpaten für ein Kind sucht, dann soll man sie aus drei unterschiedlichen Gemeinden wählen, um dem Kind Glück zu garantieren. Das ist eine Methode, die man früher für richtig hielt und wo man heute sagen muss: "Was soll der Quatsch?"

Aber nichtsdestotrotz benutzen wir viele dieser Dinge heute immer noch weiter. Wenn Sie in ein Blumengeschäft gehen, um Blumen zu kaufen und um diese zu verschenken, dann wählen Sie eine ungerade Zahl für die Blumen. Wer zehn Rosen schenkt, der macht einen Fehler. Neun oder elf Rosen wären richtig.

So gibt es viele solcher Dinge, die bis heute unser Leben bestimmen. Egal, ob wir uns davon abhängig machen oder nicht, das sitzt uns allen in den Mänteln.

DOMRADIO.DE: Ist es denn schon Aberglaube, wenn man in der Kirche eine Kerze anzündet, damit eine Prüfung oder eine Operation gut gelingt?

Becker-Huberti: Wenn Sie meinen, dass Sie damit das Ziel erreichen könnten, dann wären Sie im Bereich des Aberglaubens. Wenn die Kerze eine Art von Bitte ist, mit der Sie Ihr Gebet unterstützen, dann sind Sie auf der richtigen Seite.

DOMRADIO.DE: An diesem Montag ist der sogenannte "Brich einen Aberglauben Tag". Es geht also darum, sich dem Aberglauben zu widersetzen. Wie kann man das angehen?

Becker-Huberti: Es gibt die verschiedensten Methoden. Ich habe heute in einer ausländischen Zeitungen gelesen, man solle sich zum Beispiel an solch einem Tag eine schwarze Katze suchen und mit der Schmusen, um auf diese Art und Weise gegen den Aberglauben anzugehen, denn eine schwarze Katze bringe Unglück.

Im Grunde genommen ist dieser Tag vielleicht geeignet, darüber nachzudenken, wie wir selber mit Aberglauben umgehen. Aber auf der anderen Seite ist er eine dieser vielen Tage, die wir inzwischen im ganzen Jahr haben, wo man sich fragt, was ein "Tag der Erdnussbutter" oder der "Tag des selbstgemachten Bettes" eigentlich bewirken sollen.

Das Interview führte Hannah Krewer.


Manfred Becker-Huberti / © Harald Oppitz (KNA)
Manfred Becker-Huberti / © Harald Oppitz ( KNA )

Freitag, der 13. (shutterstock)
Quelle:
DR
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