Kölner Domdechant kritisiert Protestaktion im Dom

"Alles hat seine Zeit"

Zwischenfall im Kölner Dom: Vor dem Pontifikalamt am Donnerstagabend legten sich mehrere Umweltaktivistinnen und -aktivisten auf den Boden der Kathedrale. Obwohl er das Anliegen grundsätzlich unterstützt, kritisiert Domdechant Kleine die Aktion.

Stadtdechant Msgr. Robert Kleine / © Robert Boecker (Stadtdekanat)
Stadtdechant Msgr. Robert Kleine / © Robert Boecker ( Stadtdekanat )

DOMRADIO.DE: Am Dreikönigstag gab es einen Zwischenfall im Kölner Dom beim abendlichen Pontifikalamt. Wie haben Sie das beobachtet?

Kleine: Ich bin kurz vor Beginn der Messe in den Dom gekommen und sah im Mittelgang einen Mann liegen und einen Domschweizer danebenstehen. Ich dachte zunächst, es wäre etwas passiert. Dann sah ich ein Plakat, das gehalten wurde, ein Transparent, und konnte nur "RWE" lesen, den Rest nicht. Ich bin dann da hingegangen und habe mitbekommen, dass das eine Demonstration war. Die befand sich dann aber auch schon durch die Schweizer quasi in der Auflösung. Also die waren schon da und redeten auf die Leute ein. Es waren mehrere, die im Mittelgang lagen.

Ich bin dann zum Mikrofon gegangen und habe darauf hingewiesen, dass die Kirche sich auch engagiert für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt, aber dass jetzt der Gottesdienst gefeiert wird. Ich bin auch noch mal zu dem Mann gegangen, der auf dem Boden lag und habe ihm das auch noch einmal gesagt, dass ich da um Verständnis bitte, dass wir jetzt Gottesdienst feiern wollen.

DOMRADIO.DE: Die Kirche ist im Grunde auf der Seite derer, die sich für den Erhalt der Schöpfung einsetzen. Auf der anderen Seite ist der Dom nicht der richtige Ort für so eine Protestaktion?

Kleine: Ja, also der Dom an sich. Wir haben ja das Domumfeld, da kann protestiert werden. Im Dom haben wir natürlich ein Hausrecht. Zudem war das dann auch noch kurz vor dem Gottesdienst an einem der wichtigsten Feiertage. Der Chor ging gerade vorbei und stellte sich auf und es waren Sternsinger mit im Dom und manche Leute waren sehr irritiert. Man bekam ja gar nicht mit, was sich abspielte. Das war dann auch ein Grund, dass ich noch mal zum Ambo gegangen bin und gesagt habe, dass hier ein Protest stattfinde, dass ich auch bereit bin, mit den Leuten zu reden außerhalb des Doms, aber dass alles seine Zeit hat und dass wir jetzt diesen Gottesdienst feiern möchten. Und da bitte ich dann auch um Verständnis, dass wir dann auch sagen: Das lassen wir uns jetzt nicht nehmen. Und da gibt es dann auch ein Hausrecht, das ausgeübt wird.

Ich habe nachher nur mitbekommen, dass es um den Abriss von Kirchen im Braunkohlegebiet ging, die ja in der Diözese Aachen liegen. Das ganze ist eine Thematik, wo man unterschiedliche Meinungen haben kann. Darüber kann man auch streiten, da kann man auch diskutieren und auch demonstrieren. Aber ich lade ein, dass wir das dann im Domforum oder wo auch immer machen. Aber bitte nicht in Kirchen, denn die sind uns auch heilig.

DOMRADIO.DE: Wird die Aktion rechtliche Konsequenzen haben?

Kleine: Das liegt natürlich jetzt beim Domkapitel und beim Dompropst, ob da Anzeige erstattet wird. Ich habe danach auch den Demonstrierenden gesagt: Ich gehe auch nicht bei denen zu Hause hin und lege mich da einfach in den Flur. Unsere Schweizer haben ja auch die Aufgabe da zu agieren. Und das sind dann Bilder, die unschön aussehen. Wenn dann also zwei Schweizer neben jemandem knien, dann heißt es direkt: Da wird Gewalt ausgeübt.

Aber da ist man dann, wenn man sich selber in die Situation hineindenkt, natürlich herausgefordert, das Richtige zu tun. Und es war dann gut, sie aus dem Dom herauszugeleiten. Und dann waren sie auch weg, sodass ich später dann keine Gelegenheit hatte, noch mal mit ihnen zu reden. Aber ich denke, Dialog ist wichtig und es ist auch das gute Recht in unserer Demokratie zu demonstrieren. Aber warum gerade in der Kirche? Warum gerade im Kölner Dom? Warum gerade vor dem Gottesdienst? Das sind alles Fragen, die ich den Demonstranten gerne noch mal stellen würde. Ob das der richtige Ort war und die richtige Aktion? Ich sage für mich ganz klar: Nein.

Das Interview führte Johannes Schröer.

Quelle:
DR
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