Erneut US-Kritik an belarussischem Einreiseverbot für Erzbischof

"Affront gegen die Religionsfreiheit"

US-Außenminister Mike Pompeo hat das von der belarussischen Regierung ausgesprochene Einreiseverbot für den katholischen Minsker Erzbischof Kondrusiewicz erneut verurteilt. Der Erzbischof war Ende August  an der Landesgrenze abgewiesen worden.

Proteste in Belarus / © Dmitri Lovetsky (dpa)
Proteste in Belarus / © Dmitri Lovetsky ( dpa )

Kondrusiewicz werde seit mehr als 40 Tagen die Wiedereinreise in seine Heimat Belarus "unter der falschen Prämisse verweigert, dass Glaubensführer Ungerechtigkeiten nicht öffentlich hinterfragen sollten. Das ist ein Affront gegen die Religionsfreiheit", twitterte Pompeo am Dienstag. Der autoritär regierende Machthaber Alexander Lukaschenko erklärte das Einreiseverbot Ende August damit, dass der Erzbischof auf die Liste der Personen gesetzt worden sei, denen die Einreise in Belarus und Russland untersagt sei.

Verstoß gegen belarussische Gesetze

Laut der Kirche verstößt Minsk damit gegen ein Landesgesetz, wonach keinem belarussischen Staatsbürger die Einreise verwehrt werden dürfe. Später erklärte die belarussische Regierung zudem Kondrusiewiczs Reisepass für ungültig.

Hintergrund sind die Manipulation der Präsidentenwahl in Belarus am 9. August zugunsten von Lukaschenko und die seither anhaltenden Proteste gegen ihn. Kondrusiewicz hatte die Demokratiebewegung unterstützt und die Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten kritisiert. Lukaschenko warf der katholischen Kirche vor, Propaganda gegen ihn zu betreiben.

Vatikan: Einreisebedigungen möglicherweise inakzeptabel

Zuletzt hatte der Außenbeauftragte des Vatikan, Erzbischof Paul Gallagher gesagt, er sei "nicht allzu optimistisch", dass sich Belarus bei der Frage der Rückkehr von Kondrusiewicz bewegen werde. Er denke, sie würden ihn einreisen lassen, "aber vielleicht wären die Bedingungen, die sie stellen könnten, für den Erzbischof inakzeptabel", sagte Gallagher vergangene Woche dem US-amerikanischen Internetportal "Crux".

Gallagher war zur Lösung des Problems Mitte September eigens nach Minsk gereist. Die katholische Kirche in Belarus sieht sich im Zuge der schweren politischen Krise in Belarus auch anderen staatlichen Repressionen ausgesetzt.

Der Regierungsbevollmächtigte für Religionsangelegenheiten, Leonid Gulaka, lud die katholische Kirche Ende August erstmals nicht zu einer Sitzung des Interkonfessionellen Rates ein. Der staatliche Hörfunk strich die Übertragung der katholischen Sonntagsmesse aus dem Programm - das Ende einer jahrzehntelangen Tradition.

Mehr als eine Million der 9,4 Millionen Bürger des Landes sind nach Kirchenangaben katholisch. Die Mehrheit der Belarussen sind orthodoxe Christen.

Mike Pompeo / © Jacquelyn Martin (dpa)
Mike Pompeo / © Jacquelyn Martin ( dpa )
Minsker Erzbischof Kondrusiewicz / © Screenshot (Reuters)
Minsker Erzbischof Kondrusiewicz / © Screenshot ( Reuters )
Quelle:
KNA
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