Adveniat würdigt Märtyrer Grande

"Leidenschaftliche Predigt besiegelte Todesurteil"

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat hat den 1977 ermordeten salvadorianischen Priester Rutilio Grande gewürdigt. Der Jesuit wird am 22. Januar gemeinsam mit drei weiteren Getöteten in San Salvador seliggesprochen.

Graffiti an einer Mauer mit einem Bild des heiligen Oscar Romero (r.) und von Jesuitenpater Rutilio Grande (2.v.r.) in Santiago de Maria, El Salvador / © Joachim Heinz (KNA)
Graffiti an einer Mauer mit einem Bild des heiligen Oscar Romero (r.) und von Jesuitenpater Rutilio Grande (2.v.r.) in Santiago de Maria, El Salvador / © Joachim Heinz ( KNA )

"Mit seiner leidenschaftlichen Predigt gegen den Machtmissbrauch und die Heuchelei der Mächtigen und für die Rechte und die Würde der Armen besiegelte der Jesuit Rutilio Grande sein Todesurteil", schreibt Adveniat-Hauptgeschäftsführer Martin Maier in der "Herder Korrespondenz". Grande wird gemeinsam mit seinen Begleitern Nelson Rutilio Lemus und Manuel Solorzano sowie dem 1980 getöteten Franziskaner Cosme Spessotto am 22. Januar in San Salvador seliggesprochen.

Pater Martin Maier / © N.N. (Adveniat)
Pater Martin Maier / © N.N. ( Adveniat )

 

Seliggesprochene als Symbol für verfolgte Kirche

Die Getöteten symbolisierten "den Neuaufbruch der lateinamerikanischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil", so der Jesuitenpater Maier, der demnach an der Seligsprechung teilnehmen wird. "Sie stehen für eine missionarische Kirche, die an die Peripherie, an die sozialen und existenziellen Ränder gegangen ist. Sie stehen für eine verfolgte Kirche, die zahlreiche Märtyrer für Glaube und Gerechtigkeit hervorgebracht hat", erklärte Maier.

Die Tötung von Rutilio Grande soll ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass sich San Salvadors Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero fortan lautstark für den Schutz der Armen und Rechtlosen in El Salvador einsetzte. Der 2018 heiliggesprochene Romero wurde am 24. März 1980 getötet. Das Attentat markierte den Beginn des Krieges. In El Salvador gilt Romero als Nationalheld.

Kritik an Einladung Bukeles

Zur Seligsprechung am 22. Januar hat die Kirche in El Salvador auch den international kritisierten Präsidenten Nayib Bukele eingeladen und wartet laut der Tageszeitung "El Mundo" derzeit auf eine Antwort. "Die gesamte Regierung ist eingeladen, ebenso das diplomatische Corps", sagte Kardinal Gregorio Rosa Chavez. "Bei dieser Zeremonie wird für alle Platz sein."

Menschenrechtsorganisationen werfen Bukele vor, den Rechtsstaat sowie demokratische Institutionen in El Salvador schwächen zu wollen. Die Kirche kritisierte zuletzt eine Entscheidung des Obersten Gerichts, die bislang nicht in der Verfassung vorgesehene Wiederwahl des Präsidenten zu ermöglichen.

Adveniat

Adveniat ist das Hilfswerk der deutschen Katholiken für die Kirche Lateinamerikas. Der Name leitet sich ab von der lateinischen Vaterunser-Bitte "Adveniat regnum tuum" ("Dein Reich komme"). Das in Essen ansässige Hilfswerk wurde 1961 von der Deutschen Bischofskonferenz ins Leben gerufen. Seitdem unterstützt Adveniat die Kirche in Lateinamerika und der Karibik bei ihrem Einsatz für die arme Bevölkerung.

Seit der Gründung erhielt das Hilfswerk nach eigenen Angaben rund 2,5 Milliarden Euro an Spenden. Jährlich fördert es rund 2.200 Projekte mit zuletzt etwa 38 Millionen Euro.

 (DR)
Quelle:
KNA