UN-Menschenrechtler fordern Aufklärung von Kanada und Vatikan

"Abscheuliche Verbrechen"

Ermittlungen nötig: UN-Menschenrechtsexperten haben die kanadische Regierung und den Vatikan aufgefordert, den Fund der sterblichen Überreste von 215 Kindern in einem ehemaligen kirchlichen Internat in British Columbia vollständig aufzuklären.

Kanada, Kamloops: Die ehemalige Kamloops Indian Residential School / © Andrew Snucins (dpa)
Kanada, Kamloops: Die ehemalige Kamloops Indian Residential School / © Andrew Snucins ( dpa )

Wie kanadische Medien am Freitag (Ortszeit) berichteten, verlangten sie in einer Stellungnahme, alle verdächtigen Todesfälle müssten überprüft und sterbliche Überreste forensisch untersucht werden. Ermittlungen seien an allen derartigen Einrichtungen in Kanada nötig, zu denen Vorwürfe von Missbrauch und Misshandlungen vorlägen. Noch lebende Täter müssten bestraft werden.

Auf dem Gelände des früheren Heims nahe der Kleinstadt Kamloops waren die Überreste der Kinder Ende Mai mit Hilfe eines Bodenradars entdeckt worden. Die katholische Kirche hatte das Internat im Westen des Landes 1890 eröffnet. In der Einrichtung waren Söhne und Töchter aus indigenen Familien zumeist zwangsweise untergebracht, um sie an die "christliche Zivilisation" heranzuführen. Bisher liegen keine Erkenntnisse über die Todesursachen bei den Kindern vor, deren Überreste noch nicht geborgen wurden.

Die Kamloops Indian Residential School

Das Internat war eines von 139 Umerziehungsheimen in Kanada, die überwiegend unter kirchlicher Leitung standen. 1969 übernahmen staatliche Behörden das Internat, 1978 wurde es geschlossen.

Zwischen den 1830er Jahren und 1998 landeten schätzungsweise mehr als 150.000 indigene Kinder in solchen Einrichtungen. Dort durften sie oft ihre Muttersprache nicht sprechen, viele von ihnen wurden misshandelt oder missbraucht.

Entschädigung noch lebender Opfer gefordert

Die UN-Menschenrechtsexperten prangern in ihrem Appell "abscheuliche Verbrechen" und Menschenrechtsverstöße in kanadischen Internaten für indigene Kinder an. Der kanadische Staat und der Vatikan dürften die Verantwortlichen nicht ungestraft davonkommen lassen und seien zur Entschädigung noch lebender Opfer verpflichtet.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hatte seinerseits in dieser Woche Papst Franziskus zu einer offiziellen Entschuldigung für in kirchlichen Heimen und Internaten begangenes Unrecht aufgefordert.

Quelle:
KNA