Kanada gedenkt der toten Kinder von Kamloops

Bischöfe äußern sich schockiert

Überreste von 215 Leichen von Mädchen und Jungen aus indigenen Familien sind auf dem Gelände der ehemaligen Internatsschule von Kamloops entdeckt worden. Die kanadische Regierung und das Parlament wollen Aufklärung.

Schuhe symbolisieren die zu Tode gekommenen Kinder von Kamloops / © Jason Franson (dpa)
Schuhe symbolisieren die zu Tode gekommenen Kinder von Kamloops / © Jason Franson ( dpa )

Kanada gedenkt der toten Kinder des ehemaligen Internats von Kamloops. Premierminister Justin Trudeau kündigte laut Medienberichten weitere Hilfen zur Aufarbeitung an. Das Parlament in Ottawa befasste sich am Dienstagabend (Ortszeit) in einer Sondersitzung mit dem Fall.

Schrecklichder Fund

In der vergangenen Woche hatte die Leiterin der indigenen Gemeinschaft Tk'emlups te Secwepemc, Rosanne Casimir, die Öffentlichkeit darüber informiert, dass in dem früheren Umerziehungsheim nahe Kamloops die Überreste von 215 Leichen von Mädchen und Jungen aus indigenen Familien gefunden worden seien.

Bischofskonferenz fordert Aufklärung

Die katholische Bischofskonferenz des Landes nannte die Nachricht in einer Erklärung schockierend. Um die Würde der toten Kinder wiederherzustellen, müsse die Wahrheit ans Licht gebracht werden.

An vielen öffentlichen Gebäuden sollen die Flaggen 215 Stunden auf Halbmast wehen, zum Gedenken an die Toten. An einigen Orten stellten die Menschen Kinderschuhe auf. Unterdessen fordern Vertreter von Indigenen auch Untersuchungen an anderen Einrichtungen dieser Art.

Auslöschung der Identität

Das Internat von Kamloops war eines von 139 Umerziehungsheimen in Kanada. Zwischen den 1830er Jahren und 1998 landeten schätzungsweise mehr als 150.000 indigene Kinder in diese Einrichtungen. Dort durften sie oft ihre Muttersprache nicht sprechen; viele von ihnen wurden misshandelt oder missbraucht.

Katholische Kirche als Heimbetreiberin

Viele dieser Heime wurden von der katholischen Kirche betrieben, so auch das Internat von Kamloops. Es wurde 1890 eröffnet. In den 1950er Jahren waren dort rund 500 Kinder untergebracht. 1969 übernahmen staatliche Behörden die Leitung; 1978 wurde das Heim geschlossen.

Hohe Dunkelziffer

Die Regierung in Ottawa hatte sich laut tagesschau.de 2008 offiziell bei den Überlebenden der Heime entschuldigt und zusammen mit Kirchen zwei Milliarden kanadische Dollar (heute umgerechnet knapp 1,4 Milliarden Euro) Entschädigung gezahlt. Experten sind bislang 4.100 Todesfällen an den Einrichtungen bekannt. Sie gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer höher liegt.

Quelle:
KNA