800 Jahre altes Stoffstück kehrt ins Erzbistum Bamberg zurück

Gewand aus dem Mittelalter

Ein Anruf brachte Bewegung in einen alten Fall. Ein lange fehlendes Stück eines Grabgewands aus Bamberg ist in Niedersachsen wieder aufgetaucht. Seit 1933 war es verschwunden. Nun ist es nach Oberfranken zurückgekehrt.

800 Jahre altes Stoffstück / © Patricia Achter (Erzbistum Bamberg)

Ein mehr als 800 Jahre altes, bisher verschollenes Textilfragment aus dem Grabgewand des Bischofs Otto II. ist ins Bamberger Diözesanmuseum zurückgekehrt. Das teilte das Erzbistum mit. 

Das Stoffstück fehlte demnach in dem Gewand, nachdem das Grab des Bischofs im Jahr 1933 geöffnet und das Gewand zur Restauration nach München gebracht worden war. Bisher sei nicht bekannt gewesen, dass das Gewand erst seitdem unvollständig war. Das Fragment soll demnächst im Bamberger Diözesanmuseum ausgestellt werden.

Den Angaben zufolge begann alles mit einem Anruf der Äbtissin des evangelischen Klosters Wienhausen in der Nähe von Celle bei der Leiterin des Diözesanmuseums, Carola Schmidt, im Sommer 2025. Die Äbtissin berichtete demnach vom Fragment eines Seidengewebes mit einer Notiz, dass es aus Bamberg komme. Der Archivar des Klosters habe es beim Aufräumen in einer Schachtel gefunden. "Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir alles kennen, was erhalten werden konnte", sagte Textilrestauratorin Sibylle Ruß.

Stoffstück machte Station in Krefeld

Zunächst hätten Kunsthistoriker der Klosterkammer in Hannover den Stoff in der Größe von etwa 40 mal 60 Zentimetern untersucht und dessen Bedeutung geschätzt, da es nur wenige Textilien mit diesem Muster gebe. Der Austausch von Fotos und eine Reise zum Kloster hätten dann Gewissheit gebracht.

Anscheinend sei das Stück nach der Restaurierung in den privaten Besitz einer Frau aus Krefeld gelangt, die Stoffe sammelte, und es nach ihrem Tod an eine Freundin und Textilkennerin weitergab. Diese schenkte es dem Kloster Wienhausen, das Ausstellungen zu mittelalterlichen Fundstücken und Textilien zeigt. Dort habe es seitdem im Archiv gelegen.

Otto II. wurde um 1122 als Sohn eines bayerischen Grafen von Andechs geboren und war ab 1164 Propst am Stift Sankt Stephan in Bamberg. Nach Zwischenstationen in Aachen und Brixen kam er zurück nach Franken und erscheint 1174 in Schriften als Bamberger Domprobst. 1177 wurde er zum Bischof von Bamberg gewählt. Er war der 12. Oberhirte in Bamberg und gilt als Gefolgsmann von Kaiser Friedrich Barbarossa. Er verstarb 1196 in Bamberg und ist im Dom bestattet.

Erzbistum Bamberg

Das Bistum Bamberg wurde auf die Initiative von König Heinrich II. hin bei der Reichssynode in Frankfurt gegründet. Erster Bischof von Bamberg war Eberhard I., der dieses Amt von 1007 bis 1040 innehatte. Mit dem Bistum Bamberg ins Leben gerufen wurde das Domkapitel, das den Heiligen Georg als Patron wählte.

Beim 4. Laterankonzil 1215 erlangte das Domkapitel das alleinige Bischofswahlrecht und beanspruchte die Mitregierung des Hochstifts und der Diözese.

Blick auf die Bamberger Altstadt / © saiko3p (shutterstock)
Blick auf die Bamberger Altstadt / © saiko3p ( shutterstock )
Quelle:
KNA