Staatsanwaltschaft Freiburg hat Missbrauchsstudie aufgearbeitet

139 Fälle eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat ihre Prüfungen und Ermittlungen zu sexuellen Missbrauchsfällen im Erzbistum Freiburg bis auf einen Fall abgeschlossen. 97 Fälle wurden weiter verfolgt, 139 nicht. 

Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer / © r.classen (shutterstock)
Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer / © r.classen ( shutterstock )

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Donnerstag gab es bei 139 Fällen keine weiteren Ermittlungen, weil die mutmaßlichen Täter tot sind. 97 Fälle wurden weiter verfolgt: Gegen 52 Personen sowie in 11 Verfahren gegen Unbekannt wurden Ermittlungen eingeleitet. Hinzu kamen 34 Verfahren, die die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe nach Freiburg überwies, weil sie ebenfalls das Gebiet der Erzdiözese betreffen.

MHG-Studie ermittelte 190 Fälle in Erzdiözese Freiburg

Hintergrund ist eine von der Kirche in Auftrag gegebene bundesweite Studie zu Missbrauch. Für die Jahre 1946 bis 2014 verwies die sogenannte MHG-Studie auf 190 Fälle im Gebiet der Erzdiözese Freiburg. Zu den Tatvorwürfen gehörten Beleidigung, Nötigung, Freiheitsberaubung, Kinderpornografie sowie schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen. Laut Staatsanwaltschaft lag die Vielzahl der Vorwürfe Jahrzehnte zurück.

Inzwischen wurden 50 Verfahren eingestellt. In 31 Fällen seien die Taten verjährt gewesen, in 9 Fällen sei kein strafrechtlich relevantes Verhalten feststellbar gewesen. 5 Beschuldigte starben und in 5 weiteren Fällen wurde deutlich, dass die Beschuldigten bereits verurteilt wurden. Schließlich wurden 11 Verfahren an andere Staatsanwaltschaften übergeben, weil Freiburg hier nicht zuständig sei.

Damit verbleibt aktuell ein Ermittlungsverfahren gegen einen identifizierten Tatverdächtigen, wie die Freiburger Staatsanwaltschaft mitteilte. Alle anderen Verfahren in Zusammenhang mit der MHG-Studie seien abgeschlossen.

Kirchliche Akten zwischen 1946 und 2014 analysiert

Bei der 2018 veröffentlichten Untersuchung zu "Sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" hatten Wissenschaftler der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen (MHG) bundesweit kirchliche Akten analysiert. Insgesamt fanden die Experten für die Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute in Deutschland. 190 Fälle entfielen auf das Gebiet der Erzdiözese Freiburg.

Eine Gruppe von Juristen hatte zusammen mit dem Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) im Blick auf die Studienergebnisse bei Staatsanwaltschaften bundesweit Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, um den Ergebnissen der Studie nachzugehen.

Quelle:
KNA
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