In seiner Predigt am Freitag der fünften Fastenwoche hat Domkapitular Markus Bosbach den Mut in den Mittelpunkt gestellt, zum eigenen Glauben zu stehen und die Wahrheit auszusprechen. Am Beispiel des Propheten Jeremia zeigte er auf, dass es Situationen gebe, in denen Anpassung und Schweigen verführerisch erscheinen, weil sie Konflikte vermeiden. Doch gerade dann gelte es, standhaft zu bleiben. Jeremia habe sich gegen den Druck seiner Zeit gestellt und unbequeme Wahrheiten verkündet, weil er erkannte, dass ein falscher Weg eingeschlagen wurde und Umkehr notwendig war.
Bosbach betont, dass auch Christen durch die Taufe zu einem solchen prophetischen Zeugnis berufen sind. Es gehöre zum Glauben, Missstände zu benennen und für das Richtige einzustehen, selbst wenn dies Ablehnung oder Ausgrenzung nach sich ziehe. "Wer nur wach ist, kennt den Druck, den eine Gruppe ausüben kann, mitzumachen." Dennoch dürfe dieser Druck nicht dazu führen, die eigene Überzeugung zu verleugnen.
Abschließend machte Bosbach in der Predigt deutlich, dass dieser Mut nicht aus eigener Stärke komme, sondern aus der Beziehung zu Gott. Die innere Berufung lasse sich nicht einfach unterdrücken, denn "es würde ihn innerlich zerreißen, wenn er dem äußeren Konflikt aus dem Weg ginge". Im Vertrauen auf Gott könnten Gläubige standhaft bleiben und Widerstände aushalten. So werde der Glaube zu einer Kraft, die befähigt, das als wahr Erkannte auszusprechen und danach zu handeln.