Wochenimpuls

Tag der Arbeit

Am 1. Mai feiern wir den Tag der Arbeit! Kann man so etwas eigentlich feiern? Naja, wir tun es ja auch etwas paradox: wir feiern den Tag der Arbeit, indem wir nicht arbeiten. Ursprünglich war dieser Tag als Gedenken an die Errungenschaft der Begrenzung unserer Arbeitszeit, nämlich den 8-Stunden-Tag, gedacht. Seit 1946 ist der 1. Mai bei uns in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Den Gewerkschaften, die an diesem Tag zu Kundgebungen aufrufen, geht es vor allem um die Rechte der Arbeiterschaft. Arbeit ist ein wichtiger Bereich unseres Lebens - daran besteht kein Zweifel.

Auch die Kirche ehrt die Arbeitenden an diesem Tag sogar mit einem eigenen Gedenktag: "Hl. Josef der Arbeiter". 1955 hat ihn Papst Pius XII. eingeführt als Antwort auf den weltlichen Feiertag. Die Kirche wollte betonen: Arbeit hat noch einen anderen Sinn. Denn der Einsatz für würdevolle Arbeitsbedingungen muss mehr fordern als Lohnsteigerung und Arbeitszeitreduzierung.

Was ist der "andere", der höhere Sinn, auf den die Kirche verweisen will? Arbeit hat immer ein Ziel, ein Wozu. Zum Beispiel: 

• den eigenen und gemeinsamen Lebensunterhalt zu sichern, 
• Freundinnen und Freunde mit Geld oder auch Zeit zu unterstützen, 
• ein eigenes Projekt zu verfolgen im sozialen, im caritativen, im ökologischen oder politischen Bereich. 

Es gibt viele Zielrichtungen unserer Arbeit.

Der Hl. Josef erinnert uns daran, dass es in allem, was wir tun und arbeiten, ein letztes Ziel gibt: die Teilhabe an Gott selbst, dem Schöpfer. In unserer Arbeit ahmen wir Gottes Schöpfung nach, erschaffen wir gleichsam die Welt immer wieder neu. Diese Kulturleistung ist menschlich unverzichtbar und gleichzeitig Gottes Auftrag an uns. Und den gilt es - gleichsam von höchster Stelle her - am 1. Mai so richtig zu feiern.

Ihr
Rainer Woelki 
Erzbischof von Köln