In seiner Predigt in der Kapitelsmesse im Kölner Dom hat Domkapitular Markus Bosbach die Spannung des christlichen Glaubens zwischen irdischer Verantwortung und himmlischer Hoffnung hervorgehoben. Ausgehend von der Kreuzvision Kaiser Konstantins habe sich gezeigt, dass das Kreuz kein Zeichen weltlicher Macht sei, sondern auf einen Gott verweise, der die Menschen in "Spannungen zwischen dem Reich Gottes unter uns und dem kommenden Reich Gottes" hineinführe.
Bosbach stellte dar, dass sowohl ein rein diesseitiger als auch ein rein jenseitiger Glaube in die Irre führten. Einseitigkeiten könnten entweder in "moralisch geschminkte Diktatur" oder in eine vertröstende Machtanmaßung münden. Das Kreuz hingegen halte die Spannung aus, klage Unrecht an und fordere Gerechtigkeit, ohne die Grenzen menschlichen Handelns zu übersehen.
Zugleich betonte er, dass christlicher Glaube sich in der Welt bewähren müsse. Er dürfe sich weder ins Private zurückziehen noch politische Strukturen absolut setzen. Entscheidend sei ein Glaube, der handle und zugleich vertraue: "Glaube bewährt sich, wo er sich auf das Diesseits einlässt, ohne vom Jenseits zu lassen."