Am 6. Februar, das ist nächsten Freitag, werden im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion die 25. Olympischen Winterspiele eröffnet. Über einen Zeitraum von gut zwei Wochen werden sich in Mailand und Cortina d’Ampezzo die Sportlerinnen und Sportler in 116 Wettkämpfen friedlich miteinander messen.
Ich freue mich schon auf die Übertragungen der spannenden Wettkämpfe, der bestimmt spektakulären Eröffnung in Mailand und der Schlussfeier in der Arena von Verona - und auf die Begeisterung der Athleten und Fans aus aller Welt. Bei allen Großevents - von den Olympischen Spielen bis zu Fußballweltmeisterschaften - gibt es immer auch berechtigte Anfragen und Kritik: die Kommerzialisierung des Sports, Leistungsdruck und Doping, Eingriffe in Natur und Umwelt zur Errichtung neuer Sportstätten, die Frage nach der Nachhaltigkeit des immensen finanziellen und organisatorischen Aufwandes solcher Veranstaltungen.
Dennoch haben solche - im besten Sinne - völkerverbindende Events einen hohen Wert. Die Athletinnen und Athleten leben uns vor, wie es möglich ist, miteinander zu konkurrieren, ohne zu Feinden zu werden. Bei aller Ernsthaftigkeit - manchmal geradezu Verbissenheit - mit der um Medaillen, Rekorde und Platzierungen gekämpft wird, wird bei Olympia Konkurrenz dennoch nicht zur persönlichen Feindschaft.
Ich finde: Diese Haltung ist vorbildlich. Bei allen Auseinandersetzungen und Diskussionen darf es gerne auch mal hoch hergehen. Wenn wir von etwas überzeugt sind, lohnt es sich auch, energisch dafür einzutreten. Hauptsache, wir betrachten unser Gegenüber dabei nicht als Feind, den es gilt, mundtot zu machen.
Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln