Predigten

"Nicht ich, sondern Gott" - Predigt von Weihbischof Schwaderlapp

Am Beispiel des Gleichnisses vom Pharisäer und vom Zöllner hat Weihbischof Dominikus Schwaderlapp im Kölner Dom vor einer Haltung gewarnt, die sich auf eigene Leistungen verlässt. Der Weihbischof stellte in seiner Predigt das Evangelium vom Pharisäer und vom Zöllner in den Mittelpunkt. Zunächst fragte er nach dem eigentlichen Problem des Pharisäers. Dieser tue viele gute Dinge: Er faste regelmäßig und gebe den zehnten Teil seines Einkommens. Im Gegensatz dazu stehe der Zöllner, der in der damaligen Gesellschaft als jemand galt, der seine Stellung ausnutze und andere benachteilige.

Trotz dieses Gegensatzes werde am Ende des Gleichnisses der Zöllner gerecht gesprochen. Der entscheidende Unterschied liege in der Haltung. Der Pharisäer spreche in seinem Gebet mehrfach von sich selbst. Im Mittelpunkt stehe sein eigenes Handeln. Gott erscheine nur als derjenige, dem er für seine Leistungen danken könne. Damit sehe sich der Pharisäer als eigentlicher Gestalter seines Lebens. Der Zöllner hingegen richte seinen Blick auf Gott. Er wage nicht einmal, seine Augen zu erheben, und bitte nur: "Sei mir Sünder gnädig." In dieser Haltung erkenne er, dass er vollständig auf Gott angewiesen ist. Er lege sein Leben in Gottes Hände.

Was das für die Gegenwart bedeutet

Schwaderlapp bezeichnete die Haltung des Pharisäers als Versuchung, die auch Christen betreffen könne. Menschen bitten Gott zwar um Hilfe, wollten aber oft ihre eigenen Pläne verwirklichen. Der Zöllner dagegen erkenne, dass der Mensch ohne Gott nicht bestehen könne. Die größte Katastrophe im Leben sei daher, Gott zu verlieren oder sich von ihm abzuwenden.

Mit Blick auf die Gegenwart sprach der Weihbischof davon, dass viele Menschen Gott nicht mehr fänden oder ihn aus ihrem Leben verdrängten. Christen seien deshalb gerufen, Gott wieder an die erste Stelle zu setzen, ihm zu danken und sich als Werkzeug in seinen Händen zu verstehen. Maßstab sei dabei nicht Selbstvertrauen, sondern Vertrauen auf Gott und seine Barmherzigkeit.

Glaubensvorbilder

Als Beispiel nannte Schwaderlapp den jungen Seligen Carlo Acutis. Dessen Leitwort lautete: "Non io ma Dio" – "Nicht ich, sondern Gott". Dieses Motto könne eine Orientierung für jeden Tag sein. Der Christ solle danach fragen, was Gott will, und um die Kraft bitten, diesen Willen zu tun.

Zum Abschluss verwies der Weihbischof auf Maria. Sie habe sich vollständig Gott anvertraut und gesagt: "Mir geschehe, wie du gesagt hast." Auch sie habe sich als Werkzeug in Gottes Hand verstanden.