Kaum ein Tag im Verlauf eines Jahres, der nicht als "Internationaler Gedenktag" für irgendein mehr oder weniger bedeutungsvolles Anliegen begangen wird. In der kommenden Woche etwa begeht die Welt am 10. Januar den internationalen Tag der Blockflöte und am 12. Januar feiert Deutschland den Tag der Currywurst. Echt! Zwischendurch esse ich die natürlich auch mal ganz gerne – egal ob vegan oder mit Fleisch. Aber ob es dafür gleich einen nationalen Gedenktag gebraucht hätte? Zwischen diesen beiden Tagen liegt am 11. Januar der Internationale Tag des "Dankeschöns". Als ich das gelesen habe, musste ich lächeln. Ich finde es ist eine schöne Idee, einen ganzen Tag bewusst darauf zu achten, wem ich wofür dankbar bin und das auch laut auszusprechen.
Ein "Dankeschön" freut jeden. Es gibt das "Danke" für kleine Dienste oder Aufmerksamkeiten, wie ein Danke an die Kassiererin an der Kasse beim Einkaufen. Und es gibt eine Dankbarkeit, die mit einem einfachen "Danke" gar nicht angemessen ausgedrückt werden kann, wie der Dank an Pflegekräfte, die sich jeden Tag für andere Menschen oftmals bis an die Grenzen ihrer Kräfte aufopfern, oder der Dank an Polizei und Rettungsdienste. Als Christen feiern wir jeden Sonntag als einen "Dankeschön-Tag", wenn wir uns zur Eucharistie versammeln, um Gott zu danken. Eucharistie heißt ja - wörtlich übersetzt - "Danksagung." Jeder von uns hat täglich unendlich viele Gründe, dankbar zu sein. Denn das meiste, was wir haben, sind und tun, machen wir nicht allein. Oft sind es andere, die erst möglich machen, was wir erreichen. Und immer ist es Gott, der unserm Tun und Denken mit seiner Hilfe zur Seite steht.
Der Internationale "Dankeschön-Tag" drückt also - auch wenn es kein kirchlicher Feiertag ist - eine ganz und gar christliche Haltung aus. Und ich bin darüber hinaus auch noch zutiefst davon überzeugt, dass es uns allen selbst guttut, viel öfter "Danke" zu sagen, für all das Schöne und Gute, das uns Tag für Tag widerfährt. Deshalb danke ich Ihnen jetzt herzlich fürs Zuhören.
Ihr
Rainer Woelki,
Erzbischof von Köln