Wochenimpuls

Gebetswoche für die Einheit der Christen

„Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind“ (Joh 17,22). So betet Jesus in seinen Abschiedsreden im Johannesevangelium um die Einheit seiner Jüngerinnen und Jünger. Jedes Jahr im Januar richtet die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland die Gebetswoche für die Einheit der Christen aus. In diesem Jahr steht sie unter einem Leitwort aus dem Epheserbrief: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung“ (Eph 4,4).
Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass es viele ganz unterschiedliche Gemeinschaften gibt, die sich alle zu Jesus als unserem Herrn und Gott bekennen. Im Sinne Jesu ist das jedoch nicht. Die Spaltung der Christenheit ist eine schmerzliche Wunde und ihre Überwindung ist eine wesentliche Aufgabe für alle, die sich Christen nennen.
Die Ökumene macht seit Jahrzehnten enorme Fortschritte. Viele Vorurteile wurden bereits überwunden und die weltweite Christenheit lernt immer besser, vor allem auf das Verbindende der Konfessionen zu schauen. Je besser das gelingt, desto genauer können wir auch das in den Blick nehmen, was einer vollen Einheit aller Christen noch im Weg steht und wie wir diese Gegensätze überwinden können. Für die Ökumene sind Ehrlichkeit und Gespräche auf Augenhöhe wichtig. Dazu gehört auch, dass wir klar benennen, was uns trennt - oder noch trennt. Nicht, um die bestehende Trennung zu festigen, sondern um unsere ökumenischen Schwestern und Brüder immer besser zu verstehen und mit ihnen darüber sprechen zu können, warum wir glauben, was wir glauben. Bitten wir also in der kommenden Woche den Herrn, dass er in uns das Bewusstsein wachhält, dass er alle Menschen zur Einheit in seiner Kirche beruft.

Ihr
Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

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