Wochenimpuls

Ewiges Leben?

In einem Bericht über die anstehenden Landtagswahlen in diesem Jahr wurden kürzlich im Fernsehen Wahlplakate verschiedener Parteien gezeigt. Darunter war ein Plakat, das ich zunächst für Satire gehalten habe. Eine Partei wirbt im Falle eines Wahlerfolgs mit dem ewigen Leben. Richtig gehört: Wörtlich steht als Forderung auf dem Wahlplakat: "Unbegrenzt langes Leben für alle".

Ich kann mir nicht recht vorstellen, wie die Partei das erreichen möchte. Aber es scheint so, als solle durch massive Investitionen in die medizinische Forschung das Altern und letztlich der Tod überwunden werden. Ich finde diese Vorstellung ziemlich gruselig. Nicht nur, weil sie so völlig unrealistisch ist: Wo sollen die vielen Menschen hin, wenn immer neue geboren werden, aber kaum noch jemand stirbt? Was ist mit Unfällen und Naturkatastrophen als Todesursachen, auf die auch die beste Forschung keinen Einfluss nehmen kann? - Es sprechen tausend Gründe dagegen, eine solche Forderung in der Politik ernst zu nehmen. Aber was mich an diesem Wahlplakat wirklich stört, ist, dass es das genaue Gegenteil von dem ist, worauf ich mich in der Fastenzeit vor Ostern vorbereiten möchte. 

Wir Christen feiern zu Ostern, dass Jesus Christus den Tod durch seine Auferstehung überwunden hat - einmalig, für alle Menschen und für immer. Es gehört zum Kern unseres Glaubens, dass der Mensch eine unsterbliche Seele hat und dass wir dafür geschaffen sind, nach dem irdischen Tod ewig bei Gott zu leben. Ich freue mich darauf, dass es schon jetzt und auf ewig auch für mich, wie in einem bekannten Kirchenlied zu Ostern heißt: „Christus lebt, mit ihm auch ich!“

Ihr Rainer Woelki, 
Erzbischof von Köln