In seiner Predigt am Hochfest Verkündigung des Herrn im Kölner Dom hat Domkapitular Markus Bosbach über die alttestamentliche Verheißung des Propheten Jesaja als Spiegel menschlicher Unsicherheit gepredigt. Am Beispiel des Königs Ahas werde deutlich, dass Angst und mangelndes Vertrauen in die Haltlosigkeit führten. Obwohl Gott ein Zeichen anbiete, weiche Ahas aus und bleibe orientierungslos. Die Mahnung gelte über die Zeit hinaus: "Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht." Gottes Treue bestehe dennoch unabhängig vom Versagen des Menschen.
Das verheißene Zeichen einer jungen Frau, die ein Kind gebiert, sei Ausdruck göttlicher Hoffnung gegen menschliche Begrenztheit. Gerade dort, wo Macht und Einfluss versagten, setze Gott neu an. Ein Kind erscheine dabei als grundlegendes Hoffnungszeichen: "Ein Kind, das geboren wird, ist immer ein Zeichen der Hoffnung, niemals ein Problem." Hoffnung dürfe nicht an Bedingungen geknüpft werden, "nicht erst dann, wenn der pränatale Gencheck bestanden ist."
Die Verheißung erfülle sich nach christlichem Verständnis in Maria und ihrem Sohn. In ihm werde endgültig sichtbar: "Gott ist mit uns." Das Zeichen gehe über sich selbst hinaus und werde zur tragenden Wirklichkeit für den Glauben. Nicht menschliche Leistung, sondern Gottes Geist begründe diese Hoffnung. So bleibe die Zusage verbindlich, dass Vertrauen Halt schenke – im "wehrlosen Kind der Jungfrau", das nicht nur Zeichen, sondern bleibende Gegenwart Gottes sei.