In seiner Predigt im Kölner Dom erläutert Domkapitular Dominik Meiering die Bedeutung des Markusevangeliums für die Gegenwart der Kirche. Er führt aus, dass es in einer Zeit großer Unsicherheit und Bedrängnis entstanden sei. Markus habe sein Evangelium um das Jahr 70 vor allem für eine heidenchristliche Gemeinde geschrieben, was sich daran zeige, dass er jüdische Bräuche erkläre. Angesichts von Krieg, der Zerstörung Jerusalems und der Christenverfolgung unter Nero habe er den verunsicherten Gläubigen Orientierung und Hoffnung geben wollen. Entgegen der Erwartung, sich zurückzuziehen, ende das Evangelium mit einem klaren Auftrag: "Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium." So werde deutlich, dass der Glaube nicht im Verborgenen bleiben dürfe.
Weiter hebt Meiering hervor, dass das Christentum nicht von Selbstschutz lebe, sondern von gelebter Weitergabe: "Das Christentum lebt nicht von der Selbstbewahrung." Alle Gläubigen seien dazu berufen, im Alltag Zeugnis zu geben und die Botschaft Christi sichtbar werden zu lassen. Diese Aufgabe betreffe die ganze Gemeinschaft der Kirche und zeige sich im konkreten Leben der Menschen. Zugleich unterstreicht er, dass dieses Zeugnis nicht aus eigener Kraft geschehe, sondern aus dem Vertrauen auf Gottes Mitwirken: "Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort." So schreibe jeder Mensch durch sein Leben gleichsam ein eigenes "Evangelium", in dem sich Glaube im Handeln, Hoffen und Lieben ausdrückt.