Domkapitular Hofman erläutert in seiner Predigt zur Apostelgeschichte, dass die vom Apostel Jakobus beim Konzil vorgeschlagenen kultischen Reinheitsvorschriften heute ihre unmittelbare Bedeutung verloren haben, da die historischen Kontexte sich grundlegend gewandelt haben. Der Prediger betont jedoch, dass der eigentliche Kern dieser Regelung – die gegenseitige Rücksichtnahme auf das Gewissen anderer Christen – zeitlos gültig bleibt.
Er erklärt, dass diese Vorschriften nicht primär heilsrelevante Gebote waren, sondern der Gemeinschaftsfähigkeit dienten: Sie ermöglichten es jüdischen Christen, ohne Gewissenszweifel mit heidenchristlichen Gemeinden Mahlzeiten zu teilen. Der Apostel Paulus habe später bestätigt, dass solche Regeln entbehrlich werden, wenn ihre ursprüngliche Funktion entfällt.
Hofman wendet dieses Prinzip auf die heutige Kirche an und fordert, dass Christen bewusst auf das Gewissen ihrer Geschwister Rücksicht nehmen sollten – etwa beim Kommunionempfang in anderen Konfessionen oder bei der Einhaltung liturgischer Normen. Er warnt vor unnötiger Strenge wie auch vor provokanter Überschreitung von Vorschriften. Abschließend ruft er dazu auf, den Mut zur „Correctio Fraterna" – zur brüderlichen Korrektur – aufzubringen, um echte Geschwisterlichkeit in der Gemeinde zu fördern.