Gerade erst war Karfreitag, der Todestag des Jesus von Nazareth. Der charismatische Wanderprediger war nach Jerusalem gekommen, und viele Menschen hatten ihm einen triumphalen Empfang bereitet. Doch nicht alle waren begeistert: Jesus hatte Feinde in einflussreichen politischen und religiösen Kreisen. Und die wollten seinen Tod. Er wurde verhaftet, angeklagt und durch den Statthalter des römischen Kaisers, Pontius, Pilatus, zum Tod verurteilt. Jesus von Nazareth ist am Kreuz verblutet. Er wurde begraben, betrauert - aus der Traum vom Erlöser, vom Messias …
Drei Tage später, am Ostermorgen, zeigt Gott, was er kann: Er lässt seinen Sohn nicht im Dunkel des Todes stecken. Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. Er lebt. Aus dieser Zumutung für unsere Vernunft wird eine Zuversicht für unsere Existenz: Tod und Auferstehung Jesu Christi - akribisch genau in der Bibel aufgeschrieben mit Zeit-, mit Orts- und Namensangaben - kann unser Denken und Hoffen prägen. Tod und Auferstehung zeigen: Gott geht über das Leid nicht hinweg, weder über das Leid in den Kriegs- und Krisengebieten noch über das Leid der Opfer von Machtmissbrauch. Und nicht der Tod hat das letzte Wort.
Seit Jesus Christus, der Sohn Gottes, die Nacht der Verzweiflung und des Todes durchlitten hat, braucht niemand mehr zu denken: Der allmächtige thront irgendwo über dem Universum und lässt mich auf der Erde im Stich. Seit jenem ersten Ostertag der Weltgeschichte gilt: Ich bin nicht allein in meinem Leid und auch nicht angesichts des Elends in der Welt. In Jesus Christus hat das Leben über den Tod triumphiert. Am Ende unseres Lebens, zu guter Letzt, erhalten wir Gottes Unendlichkeit geschenkt. Und die Hoffnung siegt über die Angst. Von Herzen wünsche ich Ihnen allen, Ihren Familien und Freunden, ein gesegnetes und frohes Osterfest
Ihr
Rainer Woelki Erzbischof von Köln