Domdechant Robert Kleine hat in der Kapitelsmesse am Dienstag der sechsten Osterwoche im Kölner Dom die Gefängnisszene aus der Apostelgeschichte als Bild für menschliche Krisen und innere Dunkelheit ausgelegt.
Paulus und Silas hätten trotz Angst, Schmerz und Ausweglosigkeit gebetet und gesungen, weil sie darauf vertraut hätten, dass Gott auch in der Dunkelheit gegenwärtig sei. Christlicher Glaube bedeute nicht, dass es keine Nacht mehr gebe, "aber die Nacht hat nicht das letzte Wort".
Kleine betonte, Gott könne äußere wie innere Gefängnisse öffnen und Menschen aus Angst, Schuld oder Hoffnungslosigkeit befreien. Freiheit entstehe nicht durch Flucht, sondern dort, "wo Menschen von Christus gehalten werden".
Der Gefängniswärter habe nach dem Erdbeben und der Befreiung von Paulus und Silas geglaubt, versagt zu haben, und habe sich deshalb das Leben nehmen wollen. Paulus habe ihn jedoch zurückgehalten: "Tu dir nichts an. Wir sind alle noch da." Dadurch habe der Mann Hoffnung geschöpft und nach dem Weg zur Rettung gefragt.
Die Antwort der Apostel sei eindeutig gewesen: "Nicht Leistung rettet, nicht Perfektion, nicht religiöse Erfolge, sondern Vertrauen auf Christus." Die Lesung zeige, so Kleine, dass Gott gerade in scheinbar ausweglosen Situationen wirke. "Freude mitten in der Nacht, das ist das Wunder des Evangeliums."