Die Lage in Belarus wird Thema beim Renovabis-Kongress sein
Friedlicher Protest in Belarus (Archiv)
Angespannte Lage nach der Präsidentenwahl in Belarus
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Weissrusslands Staatschef Lukaschenko
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Proteste in Belarus
Proteste in Belarus

08.08.2021

Osteuropa-Referentin kritisiert Zustände in Belarus "Wir werden einen langen Atem brauchen"

Nach den Wahlen vor einem Jahr begannen die Proteste in Belarus. Noch immer ist die Stimmung dort angespannt, Proteste werden unterdrückt, sagt Angelika Schmähling. Renovabis versucht, den Menschen vor Ort zu helfen.

DOMRADIO.DE: Wie wird der Jahrestag dieser Wahl denn im Land begangen?

Angelika Schmähling (Zuständig für Belarus beim Osteuropahilfswerk Renovabis): Ich fürchte, er kann gar nicht begangen werden. Proteste werden schon seit Monaten unterdrückt und das Regime wird jetzt umso mehr darauf schauen, dass die Farbkombination weiß-rot, die die Proteste begleitet hat, nirgendwo mehr zu sehen ist.

DOMRADIO.DE: Rund um Olympia hat sich ja auch wieder viel Aufmerksamkeit auf Belarus gerichtet durch die Affäre um die Sprinterin Kristina Tomanowskaja. Wie reagiert das Regime von Diktator Lukaschenko auf diesen Vorfall?

Schmähling: In den staatlichen Medien wurde sehr stark gegen Frau Tomanowskaja polemisiert. Sie wurde als psychisch labil dargestellt und als Versagerin. Denn eine Sportlerin, die das Regime nicht unterstützt, darf es natürlich nicht geben.

DOMRADIO.DE: Wie werden die christlichen Kirchen und Gläubigen aktuell behandelt?

Schmähling: Sie können weiter agieren, aber die Angst ist sehr groß. Es gab in den letzten Monaten immer wieder zum Teil offene Drohungen des Machthabers Lukaschenko, der immer wieder gegen Organisationen wettert, die aus dem Ausland unterstützt werden. Und eine Kirche, die eine Weltkirche ist, die auch viele polnische Priester hat, gerät dann natürlich ins Visier.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn auch Geistliche, die im Widerstand gegen das belarussische Regime arbeiten?

Schmähling: Ja, es gibt einzelne Geistliche. Im letzten Herbst haben sich einige Bischöfe und Priester erfreulicherweise immer wieder gegen die Gewalt ausgesprochen, die das Regime ausgeübt hat. Aktuell musste aber ein Priester das Land verlassen und ist nach Polen ins Exil gegangen, weil er fürchten musste, verhaftet zu werden.

DOMRADIO.DE: Sitzt Lukaschenko fester im Sattel denn je oder bröckelt die Macht?

Schmähling: Das ist ganz schwer zu sagen. Im Moment sieht es sehr düster aus. Er scheint doch recht fest zu sitzen und vor allem hat er weiter die Unterstützung von seinem Sicherheitsapparat. Wie das in der mittelfristigen Perspektive aussieht, können wir natürlich überhaupt nicht sagen.

Die große Frage ist, ob und wie die Sanktionen der EU wirken. Wenn das Land sich jetzt wirtschaftlich destabilisiert, möglicherweise dann auch den Rückhalt von Russland verliert, dann kann sich das natürlich schnell ändern. Das kann sich wirklich von Monat zu Monat ändern. Aber momentan sind die Perspektiven nicht allzu gut. Wir werden einen langen Atem brauchen.

DOMRADIO.DE: Sie arbeiten beim katholischen Osteuropahilfswerk Renovabis. Wie sieht ihre Arbeit gerade aus?

Schmähling: Wir beobachten die Situation sehr genau und wir sind im Kontakt mit unseren Projektpartnern, zum Beispiel mit der Caritas. Wir versuchen einfach, direkte Hilfe für die Menschen zu leisten, denn auch Belarus ist ja sehr stark durch die Corona-Pandemie betroffen. Da hat die Caritas Hilfsprogramme aufgelegt: direkte Nothilfe für Menschen, aber auch für Einrichtungen, die mit Waschmaschinen, mit Hygieneprodukten und so weiter ausgestattet werden. Das ist zum Glück eine Hilfe, die wir auch weiter leisten können. Humanitäre Hilfe, die funktioniert.

DOMRADIO.DE: Sie sind durch die Projektpartner in Kontakt, vielleicht auch mit den Menschen vor Ort. Wie ist denn die Stimmung unter den Leuten? Wie geht es denen aktuell?

Schmähling: Die Stimmung ist sehr angespannt, die Leute sind niedergeschlagen. Sie wissen einfach nicht, wie es weitergeht. Viele haben Angst, überlegen auch ins Ausland zu gehen, weil jeder, der so ein bisschen den Protesten nahesteht, einfach Sorge hat, eines Tages doch verhaftet werden zu können.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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