Eine Messfeier in tridentinischer Form
Eine Messfeier in tridentinischer Form

22.07.2021

Konservative US-Katholiken erbost über Papstschreiben Entscheidung zur "Alten Messe" setzt große Emotionen frei

"Verrat" und "Widerstand": Der Papsterlass zur Einschränkung der traditionellen Messe hat in den USA heftige Gegenreaktionen ausgelöst, von Gläubigen wie von Bischöfen. Welche Konsequenzen hat das für die US-Kirche?

Die USA sind für Papst Franziskus kein einfaches Pflaster. Schon häufiger kam es in der Vergangenheit zu Unstimmigkeiten zwischen Rom und konservativ-katholischen Kreisen, so wegen einer von US-Katholiken als zu liberal empfundenen Position des Papstes zu Abtreibung oder zu homosexuellen Partnerschaften. Die Reaktionen aus Amerika fielen, gerade in Sozialen Medien, deutlich und nicht selten unsachlich aus.

Aus den USA kommen Beleidigungen

Einen neuen Höhepunkt erreichten solche unterschiedlichen Positionierungen nun in der vergangenen Woche: Nachdem Papst Franziskus mit einem Schreiben die sogenannte Alte Messe weiter einschränkte, führte das insbesondere in den USA zu heftigen, teils beleidigenden Verbalattacken. In den Sozialen Netzwerken erschienen Kommentare, die Franziskus "Verrat" an den Gläubigen vorwarfen oder ihn als "engstirnigen, rachsüchtigen Mann mit einer hässlichen Seele" bezeichneten.

Ebenso prominent war der Aufruf zu "Widerstand" gegen die Papstentscheidung, die Zwietracht säen solle. Der Blogger Taylor Marshall etwa sieht die Gläubigen in der Pflicht, sich friedlich, aber entschieden gegen das Verbot zu wehren. "In dieser Zeit muss es viele Heilige geben. Und wir müssen diese Heiligen sein", so Marshall in einem gut einstündigen Monolog auf YouTube, den sich bislang rund 150.000 Nutzer angesehen haben. Das Motu proprio bezeichnet er als bislang "radikalsten Moment" in der achtjährigen Amtszeit des Papstes.

Auch wenn der YouTuber selbst um einen ruhigen Ton bemüht ist und diesen auch einfordert, finden sich in den Kommentaren unter seinem Video dann doch auch Beleidigungen oder Verschwörungstheorien; etwa, dass der Papst "ein Mitglied derselben Familie ist, die nun die Welt regiert".

In den USA werden die meisten "alten Messen" gefeiert

Das gerade in den USA die Reaktion so heftig ausfiel, kommt wenig überraschend. Der langjährige Vatikan-Experte John Allen vom US-Portal "Crux" wies jüngst darauf hin, dass sich die mit Abstand meisten Orte, an denen Messen in der alten Form angeboten werden, in den USA befänden; nämlich rund 650. Der Besuch einer Messe nach Tridentinischem Ritus sei, so Allen, auch als "politisches Statement" traditionalistischer Katholiken zu verstehen.

Das war wohl auch den Verantwortlichen in Rom bewusst. Kaum anders ist laut dem britischen Vatikan-Berichterstatter Christopher Lamb ("The Tablet") und seinen französischen Kollegen Nicolas Seneze ("La Croix") zu deuten, dass die Erstveröffentlichung des Erlasses ungewöhnlicherweise nur auf Italienisch und Englisch erfolgte.

Dabei seien es in den USA längst nicht nur überzeugte Traditionalisten, die die Alte Messe schätzen, erklärte der Münchner USA-Experte Michael Hochgeschwender der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auch unter gemäßigteren konservativen Gläubigen erfreue sie sich großer Beliebtheit.

Auch von US-Bischöfen kommt Kritik

Diese können ihre Empörung auch daraus speisen, dass sich selbst einige US-Bischöfe nicht mit Kritik am Papstschreiben zurückhalten - wenn auch in deutlich sachlicherer Form. Im "National Catholic Register" veröffentlichte der Bischof von Tyler im Bundesstaat Texas, Joseph Strickland, einen Artikel, in dem er dem Papst Kurzsichtigkeit gegenüber der "reichen und friedvollen Vielfalt der traditionellen lateinischen Messe" sowie einen "stumpfen und autoritären Ton" vorwarf. Statt die Einheit der Kirche zu fördern, habe das Schreiben die Gläubigen weiter auseinandergetrieben, so Strickland; und: "Ich fürchte, der Papst schießt mit Kanonen auf Spatzen."

Es ist nicht das erste Mal, dass Strickland den Papst öffentlich derart kritisiert. Schon die Papstworte zu homosexuellen Partnerschaften 2020 hatte der texanische Bischof als "verwirrend und sehr gefährlich" bezeichnet. Er und einige seiner Amtsbrüder, darunter San Franciscos Erzbischof Salvatore Cordileone und der Erzbischof von Saint Paul und Minneapolis, Bernard Hebda, erklärten, den Gläubigen die Feier der traditionellen Messe auch weiter ermöglichen zu wollen. Der Erlass räumt den Bischöfen hierzu Entscheidungsfreiheit ein.

Dass aus dem Widerstand konservativer Katholiken nun ein offener Bruch werden könnte, glaubt Religionshistoriker Hochgeschwender indes nicht. Es sei aber möglich, "dass sie - wie früher die Liberalen - nunmehr stillschweigend aus der Kirche austreten oder, in seltenen Fällen, zur Orthodoxie oder zum hochkirchlichen Anglikanismus übertreten".

Johannes Senk
(KNA)

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