Symbolbild Orgel
Symbolbild Orgel
Benediktinerabtei in Jerusalem
Die Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg
Eingang zur Dormitio-Abtei in Jerusalem
Eingang zur Dormitio-Abtei in Jerusalem

30.06.2021

Jerusalemer Benediktiner verabschieden ihre Orgeln Sammeln für eine neue

Die Orgeln der Dormitio-Abtei werden an diesem Mittwoch ein letztes Mal erklingen. Dann werden die Instrumente abgebaut. Sie haben das Klima im Heiligen Land nicht vertragen und sollen nun in Russland ein neues Zuhause finden.

Orgelkonzerte auf dem Zionsberg gehörten zum festen kulturellen Bestandteil nicht nur christlicher Einheimischer und Expats in Jerusalem. Auch jüdische und muslimische Musikbegeisterte gehörten zu regelmäßigen Konzertbesuchern in der deutschsprachigen Benediktiner-Abtei Dormitio. Damit ist jetzt vorläufig Schluss: Im Zuge der geplanten Generalsanierung der Abtei wird die 1982 eingeweihte Hauptorgel, die zu den größten Israels gehört, abgebaut.

An diesem Mittwoch darf sie ein letztes Mal erklingen. "Eine Reise von Jerusalem nach Leipzig" steht dann auf dem Programm. Danach, kommentiert die Mönchsgemeinschaft auf Facebook, müsse man "erst einmal ohne Orgel auskommen". (Live-Übertragung auf Facebook ab 20.00 Uhr, Anm. d. Red.)

Wetter setzt der Orgel zu

Organist Juval Rabin, musikalischer Leiter des Internationalen Orgel-Festivals in Israel, wird offiziell der letzte sein, der den Pfeifen auf der Empore der Basilika Klänge entlockt. Für das Abschiedskonzert, das aus einer leeren Kirche live übertragen wird, wurden Stücke von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy gewählt - Stücke aus jenen Epochen, die durch die Stimmung des Instruments besonders gut zur Geltung kommen.

Die "kontrapunktische Klarheit nordeuropäischer Orgeln" sollte sie einst "mit der weichen Fülle der südeuropäischen Tradition" verbinden. Doch die Orgelbauer des traditionsreichen Familienbetriebs Oberlinger im rheinland-pfälzischen Windesheim bei Bad Kreuznach haben die Rechnung ohne das Wetter gemacht: kalt-feucht im Winter, heiß im Sommer, dazu regelmäßig wüstensandgeschwängerte Luft. Das setzte der Hauptorgel und ihrer kleinen Schwester im Chorraum zu.

Immer häufiger hätten die deutschen Instrumente gestimmt werden müssen; die Mechanik im Inneren habe gelitten. Ganze Register seien am Schluss unspielbar gewesen, heißt es aus der Dormitio.

Eine Generalüberholung und Reinigung vor zehn Jahren brachte hohe Kosten, aber nur kurzfristige Abhilfe. Die Orgeln erneut zu reparieren, so das Urteil eines eigens hinzugezogenen Kölner Experten, wäre unwirtschaftlich. Bevor die Instrumente nun quasi aus dem letzten Loch pfeifen, werden sie abgebaut.

Organisten aus aller Welt waren auf der Empore der Dormitio-Basilika zu Gast. Die Israelische Orgelvereinigung nutzte das Instrument und die gute Akustik der Kirche gern für Konzerte ihres Internationalen Orgel-Festivals. Kritikern der Kooperation hielten die Mönche die Grundsätze der Abtei dagegen: Dies sei ein Ort, der "offen ist für alle friedlichen Gäste". An der Tradition der geistlichen Konzerte hielt die Dormitio bewusst fest: Musik als Raum für friedliche Begegnung.

Hoffen auf Spenden

Vor allem aber war die Orgel in ihrem kurzen Leben den Benediktinern eines: Hilfe beim Lob Gottes. Der "mitunter bestechend einfache gregorianische Choral" und die Macht der Königin der Instrumente könnten sich wunderbar ergänzen, sagen die Benediktiner. Dann kann die Musik selbst zum Gotteslob werden.

Für immer schweigen soll die wetterfühlige Orgel freilich nicht. Eine orthodoxe Gemeinde in Russland wird der Hauptorgel in einer aufgelassenen Kirche ein neues Zuhause geben. Auf dem Zion freut man sich, dass "eine Orgel aus Jerusalem dem Dialog zwischen der westlichen und östlichen Kirchenmusik dienen wird".

Hier hofft man unterdessen auf Spenden, damit nach der Generalüberholung auch wieder eine "neue Orgel für viele weitere Konzerte und festliche Gottesdienste" eingebaut werden kann. Diese soll dann, anders als ihre Vorgängerin, um das große Fenster im Westwerk der Basilika errichtet werden, damit nicht nur der Klang, sondern auch Licht den Kirchenraum erfüllen kann.

Andrea Krogmann
(KNA)

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