Matthias Vogt
Matthias Vogt

25.06.2021

Israel-Experte schätzt Situation des Landes ein "Der Zusammenhalt ist konkret gefährdet"

Politische Konflikte, die Delta-Mutation des Coronavirus und eine neue Regierung: Viele Probleme kommen gerade im Heiligen Land zusammen. Wie gehen die Menschen vor Ort damit um? Und was bedeutet das für Touristen?

DOMRADIO.DE: Wir erwischen Sie in Rom, da waren Sie bei einer Tagung, wo auch das Heilige Land Thema war. Worum ging es?

Dr. Matthias Vogt (Generalsekretär des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande): Das ist eine Tagung, die jährlich unter der Leitung der Ostkirchenkongregation stattfindet und alle katholischen Hilfswerke, die für die Ostkirchen zuständig sind, zusammenführt. ROACO heißt das Ganze.

Da ist ein Tag immer dem Heiligen Land, aktuellen Problemen und der Lage der Christen gewidmet. Und am zweiten Tag haben wir über Nachbarländer gesprochen, Syrien, Irak, auch die schwierige Lage in Äthiopien und in Armenien nach dem Krieg. Aber ein großer Teil ist immer dem Heiligen Land gewidmet, mit Gästen von dort.

DOMRADIO.DE: Schauen wir mal auf die aktuelle Lage in Israel, auf den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Welche neuen Entwicklungen gibt es da mittlerweile?

Vogt: Es machen sich sehr viele unserer Partner und Vertreter der Kirche aus dem Nahen Osten Sorgen nach den jüngsten Auseinandersetzungen, die angefangen haben in Ostjerusalem durch die Räumung palästinensischer Häuser und dann den Raketenangriffen auf Gaza. Das Schlimmste für die meisten Menschen waren schließlich die Auseinandersetzungen zwischen arabischen und jüdischen Israelis in den gemischten Ortschaften.

Da haben ganz viele Menschen seither Angst, da hat es ja lynchartige Übergriffe gegeben, die quasi jeden aus dem Nichts hätten treffen können. Dieser Zusammenhalt in der israelischen Gesellschaft, der ist wirklich konkret gefährdet. Darin sehen viele jetzt noch mal eine neue Dimension der Gewalt.

DOMRADIO.DE: Welche Rolle spielt denn die neue Regierung in dieser Gemengelage?

Vogt: Die neue Regierung bringt ja ganz viele Parteien unterschiedlichster Couleur zusammen. Religiöse Parteien, eine arabische Partei. Die Hoffnungen, die Kirchenvertreter in diese Regierung setzen, sind gering. Was die Regierung zusammenhält, ist ihre Ablehnung von Netanjahu, der ja nun erstmals seit zwölf Jahren nicht mehr Ministerpräsident ist.

Aber es gibt eigentlich kein positives Programm, das diese Regierung verwirklichen möchte. Und gerade die Christen im Heiligen Land sehen nicht, dass sich die Lage grundsätzlich verändern wird, gerade weil eben auch die Rechten und Ultrarechten in dieser Regierung vertreten sind.

DOMRADIO.DE: Schauen wir mal auf die Corona-Pandemie und die Delta-Variante, die jetzt auch in Israel angekommen ist. Auch Geimpfte haben sich dort teils neu infiziert. Was macht das mit den Menschen dort, nachdem Israel ja immer als Vorreiter in der Pandemiebekämpfung galt?

Vogt: Viele haben natürlich Angst, dass auch Israel sich wieder für den Tourismus schließen muss, weil ja sehr viele Menschen dort vom Tourismus leben. Gerade palästinensische Christen leben vom Tourismus – in Bethlehem, in den Hotels in Jerusalem, in Devotionalienläden.

Auch in unseren eigenen Gästehäusern vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande (DVHL), die jetzt seit anderthalb Jahren fast leer stehen, arbeiten sehr viele palästinensische Christen. Und viele haben Angst, dass jetzt der erhoffte Pilger- und Touristenstrom doch wieder ausbleibt. Aber ich denke, es ist zu früh, hier jetzt negative Prophezeiungen in die Welt zu setzen.

Im Moment hoffen alle noch drauf, dass es jetzt mit dem 1. Juli, wo Individualtouristen auch wieder einreisen dürfen, wieder richtig losgehen kann. Und auch wir vom DVHL haben ab August wieder die ersten Pilgergruppen im Land.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie sind auf jeden Fall auch zuversichtlich, dass Wallfahrtsgruppen wieder ins Heilige Land reisen können?

Vogt: Wie gesagt, unsere ersten Gruppen fliegen Ende August wieder und wir hoffen, dass es sich dann langsam steigern wird und die Lage sich jetzt nicht noch mal umkehren wird. Israel ist doch gut vorbereitet und derzeit ist auch der Stand, dass demnächst auch die Palästinensergebiete, sprich Bethlehem und Jericho zum Beispiel, für Pilgerreisende wieder geöffnet sein werden.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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