Passanten gehen in Kuba mit Masken durch die Straßen
Passanten gehen in Kuba mit Masken durch die Straßen

07.05.2021

Kommunistisches Regime akzeptiert Katholiken als Vermittler Kubas Kirche und die Hungerstreikenden von Havanna

Auf Kuba rumort es. Nicht nur Niedriglöhne, Mangel an Medikamenten und Lebensmitteln belasten die Menschen. Offizielle Vertreter der Kirche besuchen derweil hungerstreikende Dissidenten. Auch das ist ein Signal.

In ihrem Brief an die kubanische Regierung übt die "Kubanische Konferenz religiöser Männer und Frauen" (Concur) offen Kritik an den Zuständen im Land. "Das Volk hält es nicht mehr aus", schreiben die Unterzeichner und zählen auf: Niedriglöhne, Mangel an Medikamenten und Lebensmitteln sowie fehlende Meinungsfreiheit belasteten die Kubaner.

Für viele gilt Concur als ein verdecktes Sprachrohr der katholischen Kirche, um sich nicht als Kubanische Bischofskonferenz exponieren zu müssen. Das Portal "ABC" schrieb deshalb vor wenigen Tagen: "Die Kirche auf Kuba fordert Reformen."

Die Regierung macht das seit Jahrzehnten andauernde US-Embargo für die Versorgungsengpässe verantwortlich. Oppositionskreise berichten über viel zu hohe Preise für viel zu wenige Lebensmittel. Zuletzt leitete Kuba allerdings eine weitere "Anpassung" des Systems mit marktwirtschaftlichen Reformen ein, um den Privatsektor auszubauen. Im so wichtigen Tourismusbereich gibt es dagegen für ausländische Gäste keinen Mangel.

Aktivisten und Künstler im Kreuzfeuer

Die Lage auf Kuba ist angespannt. Zuletzt gingen die Sicherheitskräfte rabiat gegen Aktivisten und Künstler vor, die offen Kritik am Einparteien-System üben. Der prominenteste von ihnen, der homosexuelle afrokubanische Aktionskünstler Luis Manuel Otero Alcantara, befindet sich seit Tagen im Hungerstreik, verweigert die Aufnahme von Nahrung und Wasser. Er protestiert damit nach eigenen Angaben gegen den Diebstahl seiner Kunstwerke sowie massive Repressionen durch die Polizei.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch machten auf das Schicksal von Otero Alcantara aufmerksam. Inzwischen wurde der Künstler offenbar gegen seinen Willen in ein Krankenhaus verlegt. Seinen Tod will die Regierung offenbar auf jeden Fall vermeiden.

In der vergangenen Woche bekam Otero Alcantara Besuch von einem Kirchenvertreter. Das Erzbistum Havanna entsandte seinen Kanzler Ramon Suarez Polcari, um sich nach dem Zustand des Künstlers zu informieren, bevor ihn die Sicherheitskräfte abholten. Anders als Aktivisten oder regierungskritischen Journalisten wurde dem Kirchenmann der Zugang zu dem Hungerstreikenden gestattet.

Kirche als Vermittler

Denn die Kirche ist für die kubanische Regierung stets auch ein Vermittler gewesen, der einen Austausch mit den Dissidenten möglich machte, ohne dass es direkte Gespräche geben muss, die als Anerkennung verstanden werden könnten.

Kubas regierende kommunistische Partei legt großen Wert darauf, selbst zu definieren, wer zur Zivilgesellschaft gehören darf und wer nicht. Otero Alcantara und andere der in der aufmüpfigen Künstlerbewegung "San Isidro" organisierte Journalisten, Künstler, Intellektuellen und Musiker gehören nach offizieller Lesart jedenfalls nicht dazu.

Es ist das zweite Mal binnen kurzer Zeit, dass die Kirche mit Regierungsgegnern Kontakt aufnimmt. Havannas Erzbischof Dionisio Garcia hatte jüngst die ebenfalls im inzwischen beendeten Hungerstreik befindlichen Dissidenten der offiziell nicht zugelassenen Oppositionspartei Patriotische Union Kubas (UNPACU) besucht.

Deren Sprecher Jose Daniel Ferrer bedankte sich auf Twitter für den Besuch des Erzbischofs. Garcia habe sich nach dem Gesundheitszustand der Hungerstreikenden am UNPACU-Sitz erkundigt, der zugleich auch als Armenküche dient. Zuvor seien die Polizeisperren rund um das Gebäude reduziert worden, so Ferrer. Mit dem Hungerstreik fordern die Oppositionspolitiker die Zulassung von politischen Parteien, Zugang zu den staatlichen Medien sowie Meinungsfreiheit auf Kuba.

Tobias Käufer
(KNA)

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